Die Schule konnte ihren Anfang nehmen. Wir hatten auf mindestens siebenzig Kinder für den ersten Tag gerechnet und hatten nun ihrer sieben, aber es war immerhin ein Anfang.

Ich winkte den Kindern, sie sollten in das Schulhaus kommen. Sie wollten aber nicht. Als ich mich ihnen näherte, verkrochen sie sich alle hinter ihren Vätern. Ich sagte darauf den Vätern, daß sie mit den Kindern in die Schule kommen sollten. Das half. Die Polizisten gingen hinein und die sieben Kinder folgten ihnen. Nun waren sie wenigstens drinnen. Die drei Männer setzten sich sofort in einer Ecke des freien Raumes auf den Fußboden. Die Kinder folgten ihrem Beispiel. Aber da konnten sie doch nicht sitzen bleiben; sie sollten ja auf den Bänken sitzen.

Mein Gehilfe und ich setzten uns auf eine der Bänke, um es den Kindern vorzumachen. Wir zeigten ihnen dann durch Gebärden, wie schön es sich da sitze, viel besser als auf dem Fußboden. Dann standen wir wieder auf und erneuerten unsere Versuche, die Kleinen dazu zu bewegen, sich auf die Bänke zu setzen. Ein energisches Kopfschütteln von den sieben schwarzen Köpfen war die einzige Antwort. Sie wollten nicht. Da meinte mein Gehilfe, der sehr klug war, es sei doch auch garnicht nötig, daß die Kinder heute am ersten Tage gleich auf den Bänken säßen, das würde sich schon mit der Zeit finden. Ich stimmte ihm bei, und so gaben wir unsere Versuche, die Kinder auf die Bänke zu bringen, einstweilen auf.

„Aber ihre Hüte sollten sie doch abnehmen,“ meinte mein Gehilfe.

„Ja, da haben Sie recht,“ antwortete ich.

„Versuchen wir es, die Jungen dazu zu bewegen.“

Wir gingen beide hin, holten unsere Hüte und setzten uns dieselben auf den Kopf. Dann winkten wir den Jungen, aufzupassen. Wir gingen nach der Stelle im Zimmer hin, wo an der Wand eine Reihe von Haken angebracht war, nahmen unsere Hüte ab und hängten sie auf. Darnach forderten wir die Jungen durch Zeichen auf, ein gleiches zu tun. Ihre Antwort bestand darin, daß sie sich ihre Hüte etwas fester ins Gesicht drückten.

„Hier muß man Gewalt gebrauchen,“ sagte ich zu meinem Gehilfen.

„Besser nicht,“ meinte dieser. Ich aber ließ mich nicht zurückhalten. Ich ging gemächlich zu den fünf Jungen hin, und ehe sie sich dessen versahen, hatte ich ihre fünf Hüte in meiner Hand und trug sie zu den Haken. Ehe ich aber dort anlangte, waren die Jungen aufgesprungen, mir gefolgt und hatten mir die Hüte entrissen. Noch zur rechten Zeit dachte ich daran, daß ich einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte mich an dem Eigentum der Kinder vergriffen. Wie konnte ich bei diesen Naturkindern einen andern Ausgang der Sache erwarten, als er sich gezeigt hatte. Anstatt mich zu ärgern oder böse zu werden, drehte ich mich um und lachte. Da lachten auch die Jungen und setzten sich seelenvergnügt die zerlumpten Filzhüte wieder auf die dichten, schwarzen Haare.

Aber siehe da, was machten die beiden Mädchen? Sie hatten wohl gleich gemerkt, daß die Hutgeschichte sie nichts angehe, weil sie keine Hüte auf den Köpfen hatten. So fühlten sie sich frei und unbelästigt. Woher sie die Tiere hatten, weiß ich nicht, sie mußten sie wohl unter ihren Umschlagetüchern mit hereingebracht haben. Die eine der beiden hatte einen, die andere sogar zwei kleine, junge Hunde in ihrem Schoß und spielten damit.