„Sie ist das einzige Kind einer kranken Frau, einer Witwe, zu der ich dich eben führen will.“

„O das freut mich,“ sagte Ina. „Nicht daß die Frau krank und eine Witwe ist, sondern daß du mich zu ihr führen willst und daß ich dann gewiß auch die Kleine kennen lernen werde.“

„Was liegt dir an dem Kinde?“

„Viel. Besonders da sie von mir wegläuft, muß ich ihr doch zeigen, daß ich sie lieb habe und ihr nichts Böses tun will. Wie heißt das Kind?“

„Ihr Name ist Elinontis.“

„Elinontis,“ wiederholte Ina, „ein sehr schöner Name! Majull gefällt mir auch. Mir gefallen die Indianernamen. Sie klingen fast alle als wäre schon in dem Namen eine Seele.“

Die beiden waren an der Hütte angelangt, stiegen von ihren Pferden und Ina betrat zum ersten Male in ihrem Leben eine Indianerhütte. Eigentlich war es kein Betreten. Die kleine, durch ein Stück Leinwand verhängte Öffnung war so niedrig, daß man nur auf den Knieen hindurchrutschen konnte. In dem engen runden Raum lag auf schmutzigen zerrissenen Decken eine kranke, sehr abgemagerte Frau. Sie mußte schon lange krank gewesen sein und keinerlei Pflege gehabt haben. Ringsherum auf dem Erdboden lagen Lumpen, leere Blechkannen, schmutzige Papierstücke, Knochen usw. Ina hatte noch nie solchen Schmutz in einer menschlichen Behausung gesehen.

„Zuerst müssen wir aufräumen und alles rein machen,“ sagte Ina, „du mußt mir helfen, Majull.“

Majull war bereit. „Sie hat niemand als das Kind, die Elinontis,“ sagte Majull, „und dasselbe ist noch zu klein, um viel Arbeit tun zu können.“ Nun wurde all der Unrat hinausgeschafft. Dann wurde das Geschirr und darnach die kranke Frau gewaschen. Die Bettdecken wurden hinausgetragen und ausgeschüttelt. „Das ist nur für heute,“ sagte Ina, „später machen wir es besser; es geht nicht alles mit einem Male.“

Ina untersuchte hierauf die Kranke, gab ihr Medizin und bereitete ihr etwas zu essen und zu trinken. Als sie damit fertig war, schaute sie nach ihrer Uhr. Es war bereits elf Uhr.