„Unsere Morgenarbeitszeit ist jetzt vorüber,“ sagte Ina zu Majull, „aber willst du mir noch ein paar Minuten helfen?“
„Gewiß,“ antwortete Majull.
„Dann komm und setze dich her zu mir neben die Kranke. Nachher gehen wir hinaus und essen zusammen.“
Ina zog ein Neues Testament aus der Tasche. „Was ich in meiner freien Zeit tue, geht niemand etwas an, selbst den Herrn Agenten nicht,“ sagte sie zu sich selber, „Regierungsbeamte sollen zwar keine Religion treiben, aber in meiner freien Zeit kann ich tun, was ich will. Da kann mir niemand wehren, von Christo zu zeugen.“
Ina las der Kranken einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift vor und Majull mußte die Worte in die Sprache der Indianerin übertragen.
Ehe die beiden fortgingen, ließ Ina der Kranken noch verdolmetschen, sie solle der kleinen Elinontis sagen, daß sie sich nicht vor ihr zu fürchten brauche, sie sei ihre Freundin und täte ihr nichts zuleide, sie solle nur getrost kommen und ihr Wasser holen. Die Frau antwortete nicht, sie hatte überhaupt noch kein Wort gesprochen. Sie hatte nur halb verwundert halb unwillig der weißen Unbekannten zugeschaut, die sich in ihrem Hause betrug, als ob alles was darin war, ihr gehöre.
Ina wollte ihr zum Abschied die Hand reichen. Die Indianerin tat aber, als sähe sie es nicht. Das ließ Ina sich nicht gefallen, sie nahm einfach die Hand, die ihr verweigert wurde, und drückte sie herzlich und die Indianerin ließ das geschehen.
Es war von nun an Inas erste Arbeit an jedem Morgen, wenn sie mit Majull ausritt, daß sie die kranke Mutter der kleinen Elinontis mit allem versorgte, dessen sie bedurfte. Die Zeit vor ihrem Frühstück aber widmete sie der Kleinen. Ina hatte sich ja vorgenommen, sie wolle alles tun, um das Vertrauen und die Liebe dieses Kindes zu gewinnen.
Am nächsten Morgen stand sie zeitig auf und setzte sich mit einem Buch auf die kleine Steintreppe vor der Tür ihres Lehmhauses. Ina meinte, Elinontis würde sich weniger fürchten, wenn sie sie schon dort sitzen sähe, wenn sie käme, als wenn sie plötzlich aus dem Hause träte wie gestern.