So sollte also der alte Groll auch fernerhin auf ihm lasten! Der edle Freund war für die Freihofer auf immer verloren, und sein verheißungsvoll aufleuchtendes Glück war in Scherben gegangen, – wohl, das mußte er ertragen lernen! Was ihn schwer niederdrückte, war also geblieben, das aber, was ihm hold und besitzenswert erschien, hatte ihn verlassen. Und jetzt verließ auch sie noch ihn – seine Mutter?

Da warf der riesenstarke Mann die Arme auf den Tisch, barg das Gesicht in ihnen und schluchzte wie ein Kind.

***

Der Freiherr war in gebeugter Haltung langsam den Weg zum Schloß hinaufgegangen.

Eine halbe Stunde später tat sich das Gattertor wieder auf, und ein berittener Bote trabte auf lustig wieherndem Rößlein den Schloßberg herunter. Er hatte Ungeduld, auf die Straße zu kommen und lenkte deshalb das Tier querfeldein. Über Gräben, Hecken und rieselndes Wasser flog der Gaul wie ein Reh hinweg, bis er zuletzt in weitem Sprunge über den Straßengraben setzte.

Und dann jagte der Reiter mit verhängten Zügeln auf der Straße dahin, die nach Eckartsberg führte.

14. Kapitel.

Es war eine wunderbare, märchenschöne Maiennacht. Kein Wölkchen stand am Himmel. Gegen zehn Uhr war der Vollmond heraufgezogen und übergoß die ganze Landschaft mit seinem milden, weißen Licht. Der Himmel sah aus wie eine riesige, tiefdunkelblaue Sammetdecke, auf der Myriaden von Sternen gleich glitzernden Steinen ausgestreut waren. Die Luft war so klar und durchsichtig, daß die funkelnden Himmelskörper dem Auge viel näher erschienen, und die Umrisse der Häuser und Bäume waren scharf zu erkennen. Kein Laut erscholl weithin, der die feierliche Stille unterbrochen hätte. Nur dort, wo der leichte Windhauch von den bunten Wiesen her den balsamischen Duft der jungen Gräser und Blumen hintrug, rauschte es geheimnisvoll in den Bäumen. Leise bewegten sich die schlanken Zweige der in frischem Weiß leuchtenden Birken, und die zitternden jungen Blätter lispelten ohne zu ermüden und priesen die Pracht des in seiner siegenden Schönheit ins Land gezogenen Lenzes.

Auf einem der breitästigen, blühenden Lindenbäume, die rund um den Brunnen vor der Schenke standen, saß mit feurigen Augen ein Eulenpaar, das in seiner hohlen, klagenden Sprache glühende Liebesschwüre austauschte, während der Wind leise die Wipfel bewegte, daß sein Rauschen wie eine Erzählung klang von all den Menschen, die unter den Bäumen schon als Kinder gespielt und die sich endlich lebensmüde in ihrem Schatten ausgeruht hatten.

Rastlos floß unterdessen das Wasser aus der hölzernen Röhre in den geräumigen Steintrog.