Nach Bauernart sprach Konrad, ehe er mit dem herausrückte was ihn hergeführt, erst vom Wetter, dann von der Ernte und davon, daß die Rüben im vorigen Jahre viel besser standen als heuer. Dann kam das Vieh an die Reihe, bis er plötzlich mitten in der Rede abriß und scheinbar harmlos hinwarf:
»Anfang Oktober gehe ich fort und schließe mich den Preußen an.«
Konrad war während der Unterhaltung unruhig in der Stube auf- und abgegangen, während Max am Tische saß und durch das Fenster das Anspannen zweier Pferde auf dem Hofe beobachtete.
Als Konrad geendet, fuhr Max herum und ließ seine Augen forschend auf dem Gesicht des Freundes ruhen, gleichsam um dessen geheimste Gedanken zu erraten. Und je länger er ihn betrachtete, je überzeugender kam ihm die Gewißheit, daß der Freund seine Worte in unerschütterlichem Ernste gesprochen hatte. Aber es war ihm nicht möglich, sich mit dem Gedanken so schnell vertraut zu machen, daß Konrad wirklich schweren Kriegsdienst tun solle. Mit ungläubigen Blicken, beinahe lächelnd, betrachtete er die schwache Gestalt des Freundes, und noch nie war ihm dessen Wuchs so knabenhaft erschienen als in diesem Augenblick. Da begegneten Konrads Augen den seinigen, und blitzschnell verstand dieser die stumme Sprache, die sie führten.
Eine heftige Blutwelle schoß ihm in das Gesicht, und es dauerte eine kurze Weile, bevor er sprechen konnte. Und dann hatte die sonst so sichere Stimme allen Klang verloren und zitterte leise und verriet die tiefe Bewegung ihres Besitzers.
»Max, glaubst Du, daß sie mich zurückweisen, wenn ich mich bei der Armee der Verbündeten als Freiwilliger melde?«
Max hatte eine leichte Entgegnung auf den Lippen. Da kam ihm der noch nie gehörte Ton zum Bewußtsein und er fühlte die Augen des Freundes in qualvoller Unruhe auf sich gerichtet, als wenn von seinem Spruche das Gelingen des Planes abhinge. Da erschrak er bei dem Gedanken, daß er eben im Begriff gewesen war, Konrad wehzutun. Es war bei ihm ja auch weniger der Zweifel in die Tüchtigkeit des Freundes zum Waffentragen als vielmehr sein zäher Widerspruch gegen alle Unternehmungen des sächsischen Volkes die darauf hinausgingen, sich gegen die Politik der Regierung aufzulehnen.
Deshalb sagte er begütigend:
»In den preußischen Regimentern wird bei dem Strome von Kriegsfreiwilligen jeden Alters sich ganz bestimmt eine große Anzahl solcher befinden, deren schwacher Körper obendrein an schwere Arbeit nicht gewöhnt ist.« Und als er sah, wie die Besorgnis aus dem Gesichte Konrads zu weichen begann, setzte Max hinzu:
»Deine außergewöhnliche Gewandtheit zu Pferde wird man ja bald erkennen, und Du kannst sicher sein, daß sie Dir vortreffliche Dienste leisten wird.«