»Darum handle, Max, ehe es zu spät ist! Mir folgen ihrer sechs, nicht mehr, Dir alle. Dein Einfluß ist gewaltig, der meinige schwach. Der Rabensteiner mit seiner Hundehütte von Hof kann schon etwas wagen, sagen sie. Geh, zeige ihnen, daß Du, der Freihofer, der größte Bauer weit in der Runde, Deinen Hof im Stiche läßt, um des Vaterlandes willen. Lehre den Starrköpfen, daß die höchsten Ziele eines Volkes nichts zu tun haben mit der kleinlichen Sorge um Nahrung für Weib und Kind für den nächsten Tag. Rüttle sie auf und stachle schonungslos ihren Ehrgeiz an, auf daß in ihren Herzen die edelsten Mannestugenden wach werden und sie sich darauf besinnen, daß ein tatenloses Volk in Ketten sich aus den abscheulichsten Kreaturen unter der Sonne zusammensetzt. Geh in die Häuser und zwinge die Männer unter deinen Willen. Wirb für die große Idee, ich werde Dir treulich helfen. Mache Helden aus den Säumigen und Bedenklichen und führe sie denen zu, die ihr Blut verspritzen für die Freiheit der deutschen Erde!«
Max hatte in zusammengesunkener Haltung, das Kinn herabgesenkt, den glühenden Worten des Freundes gelauscht. Ihm war, als wenn eine berückende Musik sein Ohr träfe, deren Klang er noch nie vernommen. Die schmeichelnden Tonwellen umstrickten seine Seele und brachten die feinsten Saiten in ihr zum Klingen.
Da richtete er seinen riesenhaften Körper mit einem Ruck zu seiner ganzen Höhe auf, und die Brust weitete sich, als wenn neues Leben in sie einzöge. Der blondhaarige Kopf mit dem ausdrucksvollen Gesicht und dem starken Nacken war dieser Bewegung gefolgt und stand stolz auf den breiten Schultern und unbeugsam von diesem Augenblick an, – bis ans Ende! Es war ein Bild strotzender Kraft und sieghafter Mannesschönheit.
Nicht mit ungestümer Bewegung, sondern langsam und etwas ungelenk, um das im Innern entfachte Feuer niederzuhalten, streckte er seine Hand aus und sagte mit leisem Beben in der Stimme:
»Konrad, schlag ein! Du hast recht, der Taten bedarf es, denn Worte sind jetzt nichts anderes als das Bekenntnis der Feigheit. Die zwölfte Stunde des gewaltigen Dramas ist angebrochen, und wir müssen uns beeilen, denn niemand vermag den unerbittlich vorwärtsrückenden Zeiger an der Weltenuhr aufzuhalten. Der Lässigkeit wird die Geschichte unser Volk einst zeihen, handeln wir und tragen wir dazu bei, daß ihm der Schimpf der Feigheit erspart bleibe!«
»Max!« schrie Konrad jubelnd auf und seine Augen liefen ihm über, »ich wußte es, daß Du uns nicht ziehen lassen konntest. Hier meine Hand. Mag unser Schicksal da droben beschlossen sein, wie es will, wir folgen unserm Herzen; ob in Nacht oder in Sonnenschein!«
17. Kapitel.
Von diesem Tage an begann in Rehefeld ein geheimnisvolles, emsiges Treiben. Zuerst hatte Max mit klopfendem Herzen daheim seine Absicht ausgesprochen. Die Mutter war, nachdem er geendet, recht still geblieben und hatte nur mehreremal leise genickt, als wenn es sich für sie um eine schon längst beschlossene Sache handele. Maria aber war auf Max zugeeilt und hatte in stürmischer Bewegung ihre Arme um seinen Hals geworfen.
»Ich hätte Dich nicht verstanden, Geliebter,« sagte sie, sich zärtlich an ihn schmiegend und das Haupt an seiner Brust bergend, »wenn Du zuhause geblieben wärst.«
Da regte sich inmitten der ernsten Stimmung der Schalk in Maxens Brust und er fragte in scheinbar vorwurfsvollem Tone: