»So spricht meine holde Braut? Ich hätte gehofft, sie würde Einspruch gegen meine Absicht erheben und mich bestimmen, bei ihr zu bleiben. Erkaltet die Glut eines Mädchenherzens so rasch?«
Vergebens aber wartete er auf eine Antwort. Und als er nach mehreren Sekunden den fest an seine Brust gepreßten Kopf mit einiger Mühe aufhob und zurückbeugte, um Maria ins Gesicht zu sehen, da zeigte es sich, daß dieses Antlitz in holdseligem Lächeln tief errötet war. Aber das Herz des Mädchens erfüllte nicht eitel Wonne, sondern wie so oft im menschlichen Leben wohnten auch in diesem Herzen jetzt die beiden Geschwister Freude und Schmerz dicht beieinander. Denn es darf nicht verschwiegen werden, daß an den langen, dunkeln Wimpern ihrer Augen ein paar glitzernde Perlen hingen.
In wehmütiger Freude beugte sich Max nieder und küßte leise diese Tränen fort.
Die Vorbereitungen zur Hochzeit aber wurden nun wieder aufgenommen und mit vermehrtem Eifer fortgesetzt, denn noch vor dem Ausmarsch der kleinen Schar sollte ihr Bund den kirchlichen Segen empfangen.
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Die beiden Freunde waren unermüdlich im Werben, und nach wenigen Tagen hatten sich dreizehn Männer gefunden, die die Schmach des Landes nunmehr so bitter empfanden, daß alle Bedenken gegen die Ausführung des Planes überstimmt wurden.
Max war ein beredter Anwalt für die Idee; wo seine Worte nicht überzeugen wollten, siegte zuletzt sein Beispiel. Das ganze Dorf geriet in helle Aufregung, und in allen Häusern sprach man von dem Vorhaben. Anfangs war es nicht leicht gewesen, mit den Männern darüber zu reden. Ihre geistige Schwerfälligkeit verhinderte, daß sie den so schnell veränderten, politischen Verhältnissen ebenso rasch folgen konnten. Die Niederlagen der französischen Generale und die dadurch schwierig gewordene Stellung Napoleons in Dresden waren zu überraschend gekommen, und die breiten Volksmassen hatte zu sehr der Gedanke durchdrungen, daß es heller Wahnsinn wäre, gegen die Macht des Gefürchteten anzukämpfen. Denn von dem Tage ab, wo die Heere der Verbündeten gegen den Kaiser losmarschierten, galt es in den störrischen Bauernschädeln für unausbleiblich, daß der Mächtige alle feindlichen Armeen in kurzer Zeit über den Haufen werfen würde. Als dann die Niederlagen der Franzosen eintraten, wurden die Getäuschten fast unwillig, weil ihre Voraussage nicht stimmte.
Großgörschen hatte ihre Sehergabe als untrüglich anerkannt, und Bautzen hatte sie glänzend bestätigt. Dazwischen passierte allerdings Großbeeren, aber dort war ja der Kaiser nicht selbst gewesen, und die Schuld der Niederlage traf den Marschall Oudinot. Wenn auch einmal ein General unterlag, was tats, der Kaiser würde alles wieder einbringen. Dafür strahlten seine Sterne bei Dresden wieder um so heller; selbst die Unterlegenen sprachen ja mit Bewunderung von dem Sieger.
Dann kam Vandammes Niederlage und Gefangennahme bei Kulm. Das war wieder gegen die Weissagung, durfte aber nicht allzuernst genommen werden, denn er war ja keiner von den großen Generalen der alten Schule. Da trat aber wenige Tage später ein Ereignis ein, das aller Zuversicht einen gewaltigen Stoß versetzte: General Bülow hatte eine starke französische Armee, die nach Preußens Hauptstadt vordringen wollte, wenige Meilen vor Berlin bei Dennewitz gänzlich geschlagen, und der Führer dieser Armee war der ruhmreichste der Feldherren Napoleons, – der Marschall Ney.
Da schwiegen die Eigensinnigen, nahmen die Pfeife aus dem Munde, spuckten aus und kratzten sich die Köpfe.