»Still, Rabensteiner, daß man uns nicht hört. Niemand darf uns heute Nacht beisammen sehen!« sprach der auf dem Aste Liegende mit leiser Stimme, die in dem Sturm fast unterging.

Jetzt hatte Konrad den Mann erkannt.

»Teufel,« antwortete er ebenso leise, »Gottfried seid Ihrs? Was in aller Welt treibt Euch in diesem fürchterlichen Wetter ins Freie, und warum klettert Ihr mitten in der Nacht auf die Bäume?«

»Es droht uns allen schweres Unheil, sage ich, Rabensteiner, aber besonders Euch und dem Freihofer. Es ist ein Schurke in unserer Mitte, der Verrat üben will.«

Da beugte sich Konrad Hartmann weit vor, daß ihm die schweren Tropfen auf Kopf und Wangen fielen, und der Sturm sich in sein Haar wühlte. Aber er merkte dies nicht. Doch war sein Gesicht um einen Schein bleicher geworden, als er mit gepreßter Stimme sprach:

»Ein Verräter, sagt Ihr, Gottfried? Ja, seid Ihr denn von Sinnen? Ein Verräter im Dorfe?«

»Es ist so wie ich sagte,« raunte dieser zurück. »Hört und überlegt rasch was zu tun ist. Der, den ich Verräter nannte, ist der Lindengutbauer. Er hat den Verrat zwar noch nicht geübt, wird es aber schon morgen tun. Ihr wißt, wie er seit Wochen gegen uns gesprochen hat, auch ist Euch bekannt, daß er den Tiefenbach wie ein giftiges Gewürm haßt und ihm gern Übles anhängen möchte. Nun also: Heute am Vormittag höre ich ein Gespräch mit an, das Frank mit Hermann Lehnhardt führt und worin er ihn gegen den Freihofer aufreizte. Und als dann Lehnhardt voll Erbitterung verspricht, diesem einen Denkzettel anzuhängen, ruft der Bauer ihm nach, daß er selbst dies besorgen wolle. Darauf ging er ins Wirtshaus. Heute am Abend kam er schwerbetrunken heim, vergriff sich wieder an seinem Weibe, das ihm, den Kleinen im Arm, weinend entgegentrat und schlug darauf den ganzen Hausrat in der Stube kurz und klein. Dabei tat er die lästerlichsten Flüche und schwor, morgen in der Frühe nach Zehmen zu fahren, wo er unsere Absicht, zu den Preußen zu gehen, dem dort befehligenden französischen Kommandeur mitteilen wolle. Ihr wißt, Rabensteiner, wie kurzen Prozeß die Franzosen mit aufständischen Bauern machen. Statt zu den Preußen, wandern wir bestenfalls in eine Festung. Aber den Anführer stellt man sicher vor den Sandhaufen.«

Konrad hatte in seiner vorgebeugten Haltung unbeweglich verharrt. Jetzt sagte er lebhaft:

»Wir müssen sofort zu Frank eilen und mit ihm reden.«

»Das wäre umsonst,« antwortete Gottfried, »er liegt schwer betrunken daheim.«