Damit verschwand er in der Dunkelheit.

Eine Sekunde lang sah Konrad auf die Stelle, wo Gottfried verschwunden war. Dann schloß er das Fenster und gleich darauf verlöschte das Licht in der Kammer.

***

Die Macht des Unwetters hatte ihren Höhepunkt erreicht. Der Sturm schüttelte und riß mit tausend Händen an allem, was sich ihm entgegenstellte, und wie Keulenschläge fielen seine Stöße auf die Dächer. Ächzend bogen sich die stärksten Stämme der Bäume unter seiner Wut, und aus des Himmels Schleusen strömte es wie eine Unzahl tosender Sturzbäche auf die geängstigte Erde herab. Ein Höllenkonzert von zehntausend Teufeln!

In der Unterstube auf dem Lindenhofe tickte die große Kastenuhr laut und einförmig. Auf der Bank vor dem Ofen lag der Bauer laut schnarchend ausgestreckt auf dem Rücken, die beiden Arme unter dem Kopfe verschränkt. Die undurchdringliche Nacht hüllte alle Gegenstände in ihren schwarzen Mantel. Da tauchte neben dem Schläfer ein Schatten auf, und im nächsten Augenblick umschlossen zwei große Fäuste den Hals des Liegenden wie eiserne Klammern. Frank zog blitzschnell den rechten Arm unter dem Kopf hervor und führte damit einen furchtbaren Hieb durch die Luft. Dann lag er wieder so bewegungslos wie vorher; nur der Arm hing schlaff herab und pendelte noch eine Weile hin und her, bis er ruhig herunterhing. Aber die Finger der auf dem Fußboden auftreffenden Hand hatte der Krampf gekrümmt wie Krallen. Noch ein, zwei Sekunden, dann lockerte sich der eiserne Griff, und die Gestalt verschwand unhörbar in der Finsternis wie eine nächtliche Erscheinung.

Die große Uhr tickte in gleichmäßigem Schlage weiter, aber der Bauer hatte aufgehört zu schnarchen. –

***

Am andern Morgen hatte sich das Unwetter gelegt. Der Himmel war hell, und der matte Glanz der mit den Wolken kämpfenden Sonne strahlte friedlich auf die Verheerungen herab, die der Sturm während der Nacht an Gebäuden und Bäumen angerichtet hatte.

Da lief plötzlich die Kunde von Mund zu Mund, den Bauern Frank habe in der Nacht der Schlag gerührt, er sei tot.

Und vor der Bank am Ofen in der Unterstube des Lindengutes lag eine alte Frau auf den Knien, die mit gerungenen Händen um den Sohn weinte. Droben aber in seiner Kammer saß mit zusammengekniffenen Lippen, mit steinernen Zügen und trockenen Augen ein junges Weib, auf dem Schoße das schlummernde Kind, und blickte hart vor sich nieder.