Mit geheucheltem Erstaunen drückte er dem Erzähler seine Verwunderung über dessen Zornesausbruch aus und mit zwinkernden Augen und listigem Schmunzeln rieb er sich die Hände und kicherte wieder still vor sich hin.
»Das muß ich schon gestehen,« beeilte er sich hinzuzufügen, »Euer Beruf ist kurzweiliger als der meinige, wenn Ihr öfters solche lustige Streiche vollführt.«
Dabei schossen seine Blicke verstohlen zu dem Mann an seiner Seite, um zu ergründen, ob dessen Argwohn verflogen sei.
Der Fuhrmann aber rührte sich nicht. Die Pfeife lag in seinem Schoße, und der Blick war finster in die Nacht hinaus gerichtet.
Eine geraume Weile verstrich in beiderseitigem Schweigen. Dann legte der Fuhrmann den noch immer mit der Faust umklammerten Säbel wieder auf die Knie, während sich seine Augen mit sinnendem Ausdruck auf die züngelnden blauen, gelben und roten Flammen des niedrigbrennenden Feuers hefteten.
»Es gab eine Zeit,« begann er wie im Selbstgespräch und mit so veränderter Stimme, daß Johann bei dem weichem Klange plötzlich aufhorchte und angestrengt nachsann, ob er diese Stimme nicht schon einmal gehört habe, »es gab eine Zeit, zu der ich die Achtung aller die mich kannten genoß, und der Name Laurentius Kräutlein einen guten Klang hatte. Damals war ich an Jahren noch ein junger Mann und an Herzenseinfalt ein Kind. Ich genoß auf Erden die Wonnen des Paradieses. Da griff das grausame Schicksal jäh zu und zerbrach mir mein sonniges Glück. In einer einzigen Stunde verdorrten Blüten und Blätter, und ich ward zum ruhelosen, rauhen Mann, den die bösen Mächte um Heimat und Glück betrogen. Und darum sage ich: – es gibt keinen Gott.«
Des armen Johanns aber hatte sich bei diesen Worten des Mannes, die eine furchtbare Anklage an das Schicksal enthielten, eine tiefe Regung bemächtigt. Und mit fliegendem Atem versetzte er:
»Der Pastor Reinerz aber sagt immer: Es gibt einen Gott, und dieser läßt sich nicht spotten!«
Da fuhr der Fuhrmann zornig auf, und alle Weichheit war wieder von ihm gewichen, als er herausbrach:
»Halte Dein lästerliches Schandmaul, Du Rabenaas, es gibt keinen, sage ich,« dabei drohend den Säbel von den Knien hebend. Und nach einigen Sekunden fuhr er beruhigter fort: