Da erhob sich der Kaiser, der uns zu dieser Stunde wie ein Gott erschien, in den Bügeln und begann mit weithin schallender Stimme zu sprechen. Er nannte uns die Männer der Pyramiden, Granitkolonnen von Marengo, er erinnerte sich unserer Tapferkeit bei Hohenlinden und sprach sein blindes Vertrauen zu seiner Alten Garde aus, bis er seine zündende Ansprache mit den Worten schloß: Grenadiere der Alten Garde, ich bin zufrieden mit Euch!
Darauf ritt er zu dem nächsten Adler, schlang den Arm um den Schaft und küßte den alten Sergeanten, der das Siegeszeichen trug, auf die Wange.
Bei diesem Beginnen vergaßen die Truppen die eiserne Disziplin; die Größe des Augenblicks riß alle hin. Tränen entstürzten den Augen der Männer, und der vieltausendstimmige Ruf zerriß das große Schweigen: Es lebe der Kaiser.
Mit diesem Jubel können die Huldigungen, die treue Untertanen ihrem Fürsten, Soldaten anderer Nationen ihrem Führer darbringen, nicht verglichen werden; er entlud sich mit elementarer Kraft und einem Donnerton, gleich dem furchtbaren Ausbruch eines Vulkans. Jeder der Soldaten wußte, daß er diesem Manne ganz gehörte und daß er sich willig für ihn in Stücke hauen lassen würde. Denn dieser geheimnisvolle Seelenzwinger galt uns alles: Heimat, Familie, – Gott!
Einen Augenblick noch sah der Kaiser mit Wohlgefallen auf die immer wieder in laute Rufe ausbrechenden Bataillone. Dann wandte er langsam das Pferd und sprengte, von dem Donnerrollen der nicht endenwollenden Huldigungen begleitet, hinüber zu den Vierecken der jungen Garde.
Siehst Du, mein junger Freund,« schloß der alte Gardist mit gehobener Stimme, »das ist der Kaiser!«
Eine lange Weile verstrich, der Jüngling stand noch immer sprachlos. Das eben Gehörte hatte ihn so mächtig ergriffen, daß er die Herrschaft über seine Gefühle noch nicht wiedererlangt hatte. Endlich riß er sich von den vor seine Seele gezauberten Bildern mit einem gewaltigen Ruck los und rief erregt aus, während sein schlanker Körper bebte:
»Pfui, wie ich ihn hasse, Euern Kaiser!«
Mit einem lauten Zeichen des Unwillens und großen Erstaunens sah der Gardist offenen Mundes auf den Kameraden. Dann schüttelte er den Kopf und sprach mißbilligend:
»Mäßige Dich, Knabe, Du sprichst im Fieber!«