Der Lärm der Kriegstrommel hallte bis in unser stilles Tal. Dreihundert Franken zahlt der Franzosenkaiser jedem Freiwilligen, war in dem Aufruf zu lesen, der an der Tür des Gemeindehauses angeschlagen war. Im Nu war mein Plan gefaßt. So hoch war gerade die Summe, die der böse Gläubiger erhalten mußte. Die beiden Frauen weinten heftig und beschworen mich, von diesem Gedanken abzustehen, aber ich blieb fest. Ich ließ mich anwerben, und das Häuschen gehörte ihnen. Heimlich bei Nacht und Nebel verließ ich das Dorf, um ihnen den Abschied nicht allzuschwer zu machen. Vor wenigen Tagen erhielt ich die ersten Zeilen der Geliebten woraus ihr gutes und treues Herz zu mir spricht.
Seht, so bin ich hierher gekommen. Ich verabscheue den Krieg, aber ich durfte ihn nicht meiden. Gott wollte es so!«
Während der letzten Worte des Jünglings hatte sich auf dem schmalen Wege, der zum Turm führte, den Schildwachen ein Mann genähert, der ganz plötzlich aus dem Dunkel der Nacht aufgetaucht war. Jetzt stand er vor ihnen.
»Die Wagen sollen beladen werden. Wenn die Wolken den Mond etwas frei lassen, fahren wir ab.«
»Wer seid Ihr,« fragte der Gardist, den Mann mit argwöhnischen Augen betrachtend.
»Kennt Ihr mich denn nicht?« antwortete dieser, »ich bin ja einer der Fuhrleute. Dort der Kräutlein ist mein Vater.«
»Der Kräutlein?« versetzte der Gardist erstaunt. »Ich kenne doch den Kräutlein schon länger als zehn Jahre, aber nie habe ich gehört, daß er einen Sohn besitze.«
»Laurentius Kräutlein aus Niederstopfenheim im Bayrischen ist wahrhaftig mein Vater,« wiederholte der Sprecher. Und wie er sah, daß der Gardist ihn noch immer ungläubig betrachtete, fügte er mit angstgepreßter Stimme hinzu: »Das schwöre ich Euch, so wahr ich selig werden will und bei dem Andenken an meine – unglückliche Mutter!«
»Es ist gut,« sagte der Gardist, »tut was Euers Amtes ist.« Bei diesen Worten streifte er den Lederriemen ab, an dem der Schlüssel um seinen Hals hing und übergab ihn dem Fremden. Dieser ergriff hastig den schweren Schlüssel, drehte ihn im Schloß um, öffnete die Tür ein Stück und tat einen Schritt vorwärts.
In diesem Augenblick senkte der Gardist das Bajonett und forderte die Parole.