Nachdem das Lied zu Ende gesungen war, traten Max und Maria zum Altar. Hochaufgerichtet stand hinter ihnen die Freihoferin und neben ihr Marias Tante. Als Trauzeugen dienten die Base Marias und Konrad Hartmann.

Auf dem lieblichen Antlitz der Braut lagen Demut und Ergebung. Und als Pastor Reinerz von ihr zu wissen verlangte, ob sie gewillt sei, ihren Vetter Max von Tiefenbach zu ehelichen und fürderhin Freud und Leid mit ihm zu teilen, da klang aus ihrem Munde ein freudiges Ja. Aller Augen hingen an der holden Erscheinung, und schon jetzt wurde mancher Blick feucht beim Anblick der Braut eines morgen ausziehenden Kriegers, und mancher Mund flüsterte: Du armes, armes Weib!

Als die Trauungszeremonie beendet war, sprach Pastor Reinerz vom Altar aus die Predigt.

Wenn einem aus der Gemeinde etwas das Herz bedrückte, dann wußte er, daß er in der Sonntagspredigt Trost und Erbauung erhalten würde. Pastor Reinerz war kein glänzender Kanzelredner. Seine Worte flossen ihm nicht von den Lippen, sondern rangen sich zuweilen mühsam von seinem Munde. Aber er sprach eindrucksvoll und öffnete mit seinen Worten den innersten Schrein der Menschen und übte eine tiefe Wirkung aus. Seine Art zu sprechen war überraschend einfach, und gerade deshalb klang die Predigt im Innern der Zuhörer noch lange nach. Heute hatte er einen Stoff, den er meisterhaft zu behandeln verstand.

Er sprach von der schweren Prüfung, die dem Lande noch immer auferlegt sei, von dem gewaltigen Ringen der Völker um Freiheit und Heimaterde und führte die atemlos Lauschenden allmählich bis zu den Geschehnissen der jüngsten Tage. Ein Sturm der Begeisterung fege durch das Land, man erwache aus einem verhängnisvollen Schlummer, und überall schicke man sich in letzter Stunde an, das Versäumte gutzumachen. Auch hier in der Gemeinde seien mutige Männer aufgestanden, die in diesen großen Tagen nicht müßig bleiben wollten.

Bei diesen Worten lief eine leise Bewegung durch die dichtgedrängten Zuhörer, den man fühlte, daß jetzt der Höhepunkt der Feier nahe.

Mit einem kurzen Gebet, in dem er die Geschicke des Landes und des sächsischen Volkes der Gnade des Allbarmherzigen empfahl, schloß Pastor Reinerz seine Predigt.

Dann erhoben sich die Dreizehn, traten enganeinandergeschart zum Altar und knieten auf den Stufen nieder, um den Segen zu empfangen.

Ein heißer Strahl ergoß sich in die Brust eines jeden der Versammelten, und man drängte sich und hob die Köpfe, um die Knieenden nicht aus den Augen zu verlieren. Es war ein erhebender Augenblick!

Mancher verbarg seine Rührung, in Vieler Augen aber glänzten Tränen. Sie gingen ja, um für das Vaterland zu streiten, das war das Tröstende, aber – sie gingen! Keiner verspürte das Verlangen, sie zurückzuhalten, aber weinen mußte man sie lassen. War doch manche alte Mutter, manches junge Weib, manches zarte Kind unter den Versammelten, die verlassen wurden!