»Den Namen will ich wissen!« schrie der Freihofer heiser und hob zugleich den Kopf und richtete seine Augen starr auf die des Pastors Reinerz.
Ein paar Sekunden tauchten die Blicke beider Männer in einander. Mahnend, – drohend drang es aus den grauen Augen des Alten. Und Max trat blitzschnell die Erinnerung an einen Tag vor die Seele, an dem er diese Augen so wie in dieser Sekunde hatte leuchten sehen. Er wußte es, was kommen würde, aber eine furchtbare Grausamkeit gegen sich selbst zerfleischte sein Inneres, und es frohlockte in seinem Herzen, wenn er daran dachte, daß sein gewaltiger Schmerz sich noch vergrößern könne.
»Ich will ihn wissen, den Namen!« schrie er noch einmal, »sprecht!«
Da richtete sich Reinerz auf, und die Greisengestalt wuchs noch mehr bei seinen Worten:
»Freihofer!« sprach er mit erhobener Stimme, »ja, Ihr habt das Recht darauf, zu wissen, wer Euer Weib umfangen hat, und wenn es auch nur im Tode geschehen ist. Der Mann also, der unbedenklich sein Leben daran setzte, Euch den Leichnam der geliebten Toten wiederzubringen, auf daß er da drunten in der Tiefe nicht eine Beute von allerlei Getier werde, sondern damit Ihr Euerm armen Weibe ein christlich Begräbnis könnt zuteil werden lassen, dieser Mann, Freihofbauer, war – – Hermann Lehnhardt!«
»Der Lehnhardt?« schrien zehn Stimmen zugleich, »der mit seinem Arm – –?«
Da erhoben sich aber auch schon winkende Hände, um die Unvorsichtigen daran zu erinnern, daß es nicht angemessen sei, den Schmerz des gebrochenen Mannes noch zu vergrößern. Der aber stand wieder mit niedergesunkenem Haupte. In Reinerzens Augen lesend, was folgen mußte, hatte sein halsstarriger Widerstand wohl wild aufgebäumt, daß er dem Kommenden trotze; – und doch hatte er, als der Name fiel, tief den Nacken gebeugt, wie unter einem ungeheuern Faustschlage.
»Auf,« rief einer aus der Menge, »ziehen wir zum Lehnhardt!« Zustimmend und mit lauten Worten der Anerkennung und Bewunderung zog der Haufe lärmend davon. Zuletzt war niemand mehr geblieben, denn was sollte man hier? Den Zusammengesunkenen trösten? Das versuchte keiner.
Endlich richtete sich Max auf. Alle weichen Empfindungen flohen ihn in dieser Sekunde; das aber was blieb, und zu Riesengröße anwuchs, war der alte, nackenzerbrechende Trotz der Tiefenbachs!
Mit stampfenden Schritten ging er über den Hof und betrat das Haus.