Der bisher leichte Wind hatte sich verstärkt. Seine Kühle war während des Erzählens unbemerkt geblieben, jetzt aber begann den Fremden zu frösteln.

Langsam stand er auf, und mit ihm erhob sich der kleine Kreis. Er zog seine Börse, ein Gespinst von feinen Silberfäden, und entnahm ihr ein Geldstück.

»Mutter Lehnhardt,« sagte er, »ich bin Euch vielen Dank dafür schuldig, daß Ihr meinen Wissensdrang nach der Geschichte des Schlosses und der Familie Tiefenbach so erschöpfend befriedigt habt. Nehmt diese Gabe und herzlichen Dank obendrein.«

Die Greisin wollte ihm wehren, aber er drückte ihr das Geld in die Hand.

Betroffen sah es die Alte an:

»Herr,« sagte sie, »Ihr habt Euch vergriffen, – einen Silbertaler …!«

»Nehmt ihn nur,« entgegnete der Fremde, »und betrachtet ihn aufmerksam, denn er trägt das Bildnis unseres allergnädigsten Königs Friedrich August.«

Die Greisin verneigte sich tief vor dem Fremden und würde ihm die Hand geküßt haben, wenn er sich nicht so schnell zur Tür gewandt hätte.

»Lebt wohl, Mutter Lehnhardt,« sagte er, »wir sehen uns heute nicht zum letzten Mal.«

»Ach,« fragte diese erstaunt, »dann führt den Herrn wohl der Weg hinauf auf das Schloß?«