Der Fremde war mittlerweile, zum Abschied grüßend, auf die Straße getreten und hatte sich zum Weiterschreiten gewandt, als er die Frage der Greisin vernahm.
Lächelnd wandte er sich noch einmal um und rief zurück:
»Auf das Schloß nicht, – auf den Freihof!«
2. Kapitel.
Max von Tiefenbach war von einem scharfen Ausritt heimgekehrt, den er in der Richtung auf Zehmen zur Besichtigung des Saatenstandes unternommen hatte.
Nun stand er auf dem Hofe neben dem warm gewordenen Pferde und strich ihm über die Fesseln der Vorderfüße, nachdem er die braunen Wickelbänder von ihnen gelöst hatte.
Das Tier schlug mit dem langen Schweife kräftig seine Weichen, um sich der Mücken zu erwehren, die es umschwärmten. Sein Herr verfolgte aufmerksam diese Anstrengungen und kam ihnen dadurch zu Hilfe, daß er selbst hier und da einen dieser Blutsauger abschlug.
Drüben am Stalle stand ein Knecht, der einen Strohwisch drehte, um den Braunen damit abzureiben.
Herr von Tiefenbach versetzte dem Pferde einen leichten Schlag auf den Schenkel, worauf das Tier hinüber nach dem Stall trabte. Hell klang der Hufschlag von dem Pflaster des weiten Hofes wider, dessen Einzelheiten in der hereinbrechenden Dunkelheit dem Auge bald verschwanden. Hierauf ging der Herr des Freihofs noch einmal durch die Rinderställe und trat dann wieder auf den Hof, um sich nach dem Familienhaus zu begeben, als er vom Tore her Schritte vernahm, die sich rasch näherten.
Er wandte sich um. Wer konnte das sein? Von den Leuten war vielleicht noch ein Verspäteter mit einer letzten Verrichtung des Tages beschäftigt, die meisten von ihnen aber saßen schon geraume Zeit drinnen in der Stube beim Abendessen. Das Abendläuten hatte eben begonnen. Es war neun Uhr.