Der Unbekannte hatte den Mann auf dem Hofe entdeckt und ging auf ihn zu. Als er näher an ihn herankam, verlangsamte er die Schritte, bis er dicht vor ihm stehen blieb.
»Grüß Dich Gott, Max!« sagte er, indem er dem Angesprochenen die Hand darbot.
Dieser trat erstaunt an den Sprecher heran. Die Stimme klang ihm bekannt, ohne daß er es vermocht hätte, ihren Besitzer zu erkennen. Obwohl die Körpergröße des Fremden noch über das Mittelmaß hinausragte, erschien er doch klein neben dem mächtigen Wuchs des Herrn von Tiefenbach, der sich deshalb auch herabbeugen mußte, um dem Fremden scharf ins Gesicht zu schauen.
»Bernhard! Ist es möglich, Du hier!« rief er erfreut aus, den Angekommenen herzlich umarmend. »Willkommen, willkommen auf dem Freihofe! Jahrelang habe ich vergebens auf Deinen Besuch gewartet, und nun kommst Du so überraschend. Das hast Du recht gemacht, alter Junge!«
»Du hättest eigentlich Ursache, mir zu zürnen, Max,« antwortete der Fremde, »nachdem ich Dir für vorigen Sommer meinen Besuch bestimmt versprochen hatte. Aber Du weißt, der Soldat ist eben selten in der Lage, über seine Zeit zu verfügen; er harrt immer der Oberen Befehle.«
Herr von Tiefenbach hatte seinen Arm schon unter den des Freundes geschoben und führte diesen nach der offenen Tür des Hauses. Bevor sie eintraten, blieb Max plötzlich stehen und fragte:
»Wirst Du uns aber auch nicht gleich wieder verlassen? Wie lange hast Du denn Urlaub?«
»Beruhige Dich, mein Lieber,« antwortete der Angekommene. »Da ich nun einmal hier bin, wirst Du mich nicht so bald wieder los.«
Sie waren bei diesen Worten in den dunkeln Hausflur getreten. Max ging schnell voraus und öffnete eine Tür, durch die heller Lampenschein herausdrang.
»Mutter,« rief er, »einen Gast bringe ich Dir. – Rate einmal wer es ist!«