Friesen war nach dem Verlassen der Schule nach Dresden gegangen und Offizier geworden. Er hatte bei Jena mitgefochten und dann an allen kriegerischen Ereignissen teilgenommen, zu denen Napoleon den ihm ergebenen Sachsenkönig drängte.
Er sprach von den Feldzügen, und Frau von Tiefenbach zeigte großes Interesse an seiner Erzählung. Sie fragte nach der Stimmung in der Hauptstadt und wollte wissen, welche Meinung die Offiziere von der politischen Lage hätten, und welcher Geist unter den Truppen herrsche. Denn die Unzufriedenheit mit Napoleons Regiment wuchs und breitete sich allmählich über das ganze Land aus.
Zuletzt schilderte Friesen die Stimmung, die ihn heute überkommen, als er von der Anhöhe herab den segensreichen Frieden betrachtet hatte.
Da unterbrach Max mit einem Male die Unterhaltung, indem er sich mit der Frage an seine Mutter wandte:
»Ist Elisabeth denn noch nicht zurück?«
Die Blicke der Freihoferin streiften die Uhr. Dann fuhr sie, ohne auf Maxens Frage geantwortet zu haben, in der Unterhaltung fort. Max schien dem Schweigen der Mutter eine Antwort entnommen zu haben, denn er wiederholte seine Frage nicht und beteiligte sich von neuem lebhaft am Gespräch.
Da verkündete die Uhr mit langsamen Schlägen die zehnte Stunde. Die Freihoferin brach die Unterhaltung kurz ab und beauftragte Max, den Gast in sein Zimmer zu begleiten.
Die Anstrengung, die Friesen während der beiden letzten Tage überwunden hatte, machten sich nunmehr geltend. Eine große Müdigkeit hatte sich bei ihm eingestellt, die er nur mit Mühe bekämpfte.
Beim Scheine der Kerze führte Max den Freund nach dem für ihn im Oberstock hergerichteten Zimmer und ließ ihn alsbald nach Gutenachtgruß und dem Wunsche allein, daß der erste Schlaf unter dem Dache des Freihofes für ihn recht erquickend sein möge.
Gähnend und mit schon halbgeschlossenen Augen sah sich Friesen in dem Raume um. Aber seine Betrachtungen währten nicht lange. Er entkleidete sich und streckte den müden Körper auf das breite, behagliche Bett. Ein wohliges Gefühl überkam ihn. Da trat noch einmal rasch die Geschichte des Weißen Schlosses an seine Seele heran. Bald aber drängte sich in die Wirklichkeit die Phantasie. Die Urahnen des Tiefenbachschen Geschlechts standen in Reih und Glied salutierend im Schloßhofe, während die Mutter Lehnhardt in Holzpantoffeln und mit einer kürbisähnlichen Kartoffel unter dem Arm auf einer ungeheuern Katze an den alten Haudegen freundlich grüßend vorbeiritt. Dann aber verblich auch dieses letzte freundliche Bild, und der traumlose Schlaf der Jugend senkte sich auf den Müden herab.