Als er die ausgelassene Heiterkeit der beiden sah, blieb er einen Augenblick verdutzt stehen.

»Hallo!« rief er »Ihr habt ja recht schnell Freundschaft geschlossen. Das gefällt mir!«

Dann schritt er zu dem Freunde.

»Guten Morgen Bernhard. Nun, wie war die erste Nacht auf dem Freihof?«

Aber noch bevor der Angesprochene antworten konnte, rief Elisabeth dem Bruder zu:

»Wenn Du es durchaus willst, daß Herr von Friesen seinen Kaffee früh allein trinken soll, so gewöhne ihn doch wenigstens nur nach und nach daran. Das muß ich gestehen, Max, Du verwöhnst Deinen Freund gleich vom ersten Tage ab nicht.«

Max trat zu seiner Schwester, hob sie samt ihrem Stuhle zu sich empor und drückte ihr trotz Sträubens einen Kuß auf den Mund. Dann setzte er behutsam das Mädchen wieder nieder.

Friesen war Maxens Bewegungen mit den Augen gefolgt und er hatte die Gruppe sehr hübsch gefunden: der blonde Riese, dessen Arme dazu geschaffen schienen, einen rasenden Stier vor sich niederzuzwingen, im Kampf mit dem zierlichen, sich heftig wehrenden Mädchen, dessen Gesichtsausdruck trotz ihres Sträubens nur allzudeutlich verriet, wie gerne sie die Zärtlichkeit des Bruders ertrug.

»So, Du hast deinen Lohn für die Schelte am frühen Morgen,« sagte Max. »Wenn Du aufmerksam gewesen wärst, hätte Bernhard gleich Gesellschaft gehabt.«

Die letzten Worte mußte er ihr nachrufen, da das Mädchen schmollend aus dem Zimmer schlüpfte.