Während mehrerer Stunden hatten unaufhörlich die Pfropfen geknallt, als ich endlich aufstand und mit Sichart durch die Zimmer wandelte. Dann war ich plötzlich von ihm getrennt und lief, ohne noch zu wissen wohin, hierhin und dahin. Später entsann ich mich dunkel, mit vielen der Festgäste ein paar Worte gewechselt zu haben, auch mit Sicharts Schwägerin. Ich stand dicht vor ihr, hatte wohl auch etwas gesagt, das die Heiterkeit der Anwesenden erregt haben mochte. Mit einem Male aber lachte niemand mehr, und das Mädchen lief rasch fort.
Kurz darauf kam ich wieder zu mir, nachdem ich eine Zeitlang frische Luft geschöpft hatte. Ich traf auch Sichart wieder, der allerdings in einem nicht beneidenswerten Zustande war. Vergebens suchte ich nach seinen Damen, bis ich die mich befremdende Mitteilung vernahm, daß sie bereits nach Hause gefahren seien.
Ich führte den widerstrebenden Freund hinaus und bestieg mit ihm einen Wagen. Für den Armen war es wirklich das beste, daß ich ihn nach seinem Heim beförderte.
Auf dem Nachhausewege grübelte ich über diejenigen Stunden des heutigen Abends nach, deren Verlauf mir dunkel war. Aber keine Erleuchtung wollte mir kommen, und ich tröstete mich mit dem armen Sichart, der noch viel schlimmer daran war als ich. – Nun, dieser Abend sollte jedenfalls den Grund für meinen Urlaub hergeben.«
Friesen machte eine Pause und sah Max an. Diesen hatte des Freundes Erzählung belustigt, zuweilen hatte er bei seinen Worten laut aufgelacht.
»Ich kann aber,« warf Max ein, »den Grund für den Urlaub beim besten Willen nicht erraten …«
»Du wirst ihn gleich haben,« versetzte Friesen. »Findest Du nicht, daß dieser Abend ganz unterhaltsam gewesen ist?«
»Aber freilich,« lachte Max, »recht lustig ist er gewesen.«
»Ja, recht lustig,« wiederholte Friesen langsam, »Du hast schon recht, Max!«
»Am übernächsten Tage gingen viel teilnehmende Menschen in Sicharts Haus, um der Witwe ihr Beileid auszusprechen, denn Sichart war sehr beliebt gewesen; nun war er tot.«