Max machte eine Gebärde des Erschreckens.

»Das war doch schmerzlich, nicht wahr?« fragte Friesen.

»Das Schicksal des jungen Mannes fordert noch heute meine ganze Teilnahme heraus,« antwortete Max. »Aber wie ist denn der Arme so schnell gestorben?«

Friesen war bleich geworden. Er tat einen tiefen Atemzug, dann sagte er:

»Er fiel von meiner Hand!«

Max konnte seine Bewegung nicht bemeistern, während Friesen fortfuhr:

»Am späten Morgen nach jenem Feste erschienen zwei Kameraden bei mir. Ich lag noch im Bett und wunderte mich, sie schon munter zu sehen. Sie waren tiefernst, ihr Kommen mochte ihnen ziemlich schwer fallen. Mit kurzen Worten verständigten sie mich davon, daß ich Sicharts Schwägerin gestern abend in hohem Grade bloßgestellt hätte, und daß Sichart der einzige Mann sei, der ihr zur Seite stände.

Ich will mir das Weitere ersparen, Max; jener vergnügte Abend hat jedenfalls meinem Herzen eine Wunde geschlagen, die niemals ganz verheilen wird.

Nach dem Duell machte man mir den Prozeß. Ich wurde für zwei Jahre auf den Königstein geschickt. Als ich die Hälfte meiner Strafe verbüßt hatte, begnadigte mich der König, »in Ansehung seiner mehrfachen Auszeichnungen vor dem Feind«. Und als ich mich dann beim Regiment zurückmeldete, schickte mich der Oberst mit unbeschränktem Urlaub von Dresden fort. Ein paar Wochen habe ich jetzt bei meinem Onkel zugebracht, der, wie Du weißt, in Tharandt Oberförster ist. Dann aber trieb es mich zu Dir.«

Auf Maxens männlich-schönes Gesicht hatte sich ein Zug tiefsten Ernstes gelagert, während sein Auge teilnahmsvoll auf Friesen ruhte. Aber er fand keine Worte, seinen Gefühlen Ausdruck zu geben und drückte deshalb dem Freunde nur stumm die Hand.