Nach wenigen Minuten befand er sich wieder auf dem jenseitigen Ufer. Da hörte er hinter sich eilende Tritte und wie er sich umsah, erkannte er Elisabeth, die gerade den Steg überschritt.

»Herr von Friesen?« rief sie von weitem, »laufen Sie doch nicht so schnell. Ich will mit Ihnen nach Hause gehen.«

Er blieb stehen und sah ihr lächelnd entgegen. Jetzt kam sie angesprungen. Ihre stark geröteten Wangen traten aus dem bleichen Gesicht scharf hervor. Als sie ihn erreicht hatte, legte Elisabeth vertraulich ihren Arm in den seinen, wie sie es oft tat, wenn sie im Walde nebeneinander gingen. Ihre Brust arbeitete infolge des schnellen Laufes heftig, und sie mußte lange nach Atem ringen, bevor sie sprechen konnte.

»Das war meine Freundin Maria,« sagte sie stolz, »Maria von Tiefenbach.«

»Ach, Ihre Cousine,« entgegnete Friesen achtlos, »die oben im Schlosse wohnt?«

Ueberrascht hob Elisabeth den Kopf und sah ihm in das Gesicht.

»Aber, Herr von Friesen, woher kennen Sie denn Maria?«

»Ich habe sie noch nie gesehen, aber schon vor ihr gehört,« antwortete er. »Max hat mir erzählt, daß es ein Schloßfräulein gäbe, mit dem unser kleiner Wildfang vom Freihofe gute Freundschaft halte.«

Das Mädchen hörte seine Neckerei nicht. Ihr Gesicht zeigte einen gespannten Ausdruck, als sie rasch fortfuhr:

»Das hat Ihnen mein Bruder erzählt? Ach bitte, Herr von Friesen, sprechen Sie mehr davon. Was hat er alles von Maria gesagt?«