Eine Blutwelle war dem Mädchen ins Gesicht getreten, aus dem Friesen zwei bittende Augen entgegenleuchteten.
Der junge Mann war betroffen. Er bereute seine Worte, die die Erregung des Mädchens hervorgerufen hatten. Von dem, was Max ihm erzählt hatte, durfte er natürlich nicht plaudern, da wäre er ja auf das im Freihofe sorgfältig gemiedene Thema gekommen. Da hatte ihm sein Scherzen einen argen Streich gespielt, den er sofort wieder gut machen mußte.
So harmlos wie es ihm nur gelingen wollte, antwortete er:
»Max hat mir beiläufig erzählt, daß seine Familie mit den Tiefenbachs vom Schlosse verwandt sei, und daß der alte Herr dort oben nur ein einziges Töchterchen habe. Das waren ungefähr seine Worte. So, und nun habe ich gesagt, was ich weiß, und ich hoffe, daß eine gewisse neugierige Fragerin befriedigt sein wird.«
Verstohlen blickte er zur Seite und sah einen Zug tiefer Enttäuschung auf Elisabeths Gesicht lagern, während die Augen, die soeben noch voll Erwartung auf ihm geruht hatten, gedankenvoll in die Weite schweiften. Es schien ihm, als wenn das Mädchen seinen Worten nicht recht glaube, und nur ihr hohes Zartgefühl sie davon zurückhalte, weiter in ihn zu dringen.
Eine Zeitlang gingen sie schweigsam nebeneinander. Dann aber wünschte Friesen das Mädchen auf andere Gedanken zu bringen, und er ahmte mit großer Sorgfalt den Ruf des Kuckucks nach. Dieser Versuch mußte jedoch nicht besonders glücklich ausgefallen sein, denn er bemerkte, wie sich die regungslosen Züge des schmalen Gesichtes wieder belebten, wie es dann in den Mundwinkeln zu zucken begann, und wie zuletzt seine Nachbarin in herzliches Lachen ausbrach. Friesen aber war froh, das Mädchen wieder heiter zu sehen, denn Ernst stand ihrem Gesicht wirklich nicht. Im nächsten Augenblick hatte sie wieder vergessen, was ihr Herz noch soeben schwer bedrückte. Und fröhlich plaudernd trafen sie als Letzte zum Mittagessen ein.
***
An den folgenden Tagen war Friesen in Maxens Begleitung wiederholt ausgeritten. Max hatte im Frühjahr ein paar schöne Wagenpferde gekauft, die er auch zugeritten hatte, sodaß sie, obgleich es zwei schwere Gäule waren, recht gut unter dem Sattel gingen. Da der Braune noch immer etwas lahmte, und die beiden Pferde in diesen Tagen selten vor die Kutsche kamen, benutzte er sie abwechselnd auf seinen Ausritten.
Zuweilen begleitete auch Elisabeth die Herren zu Pferde. Sie besaß einen prachtvollen Apfelschimmel, ein hochgewachsenes, junges Tier, mit langer, weißer Mähne und wallendem Schweife. Vor zwei Jahren hatte Max das Tier aus Holstein mitgebracht, und in kurzer Zeit war das Mädchen mit der Reitkunst so vertraut, daß ihre Leistungen alle überraschten.
Friesen gewahrte mit Erstaunen die Sicherheit, mit der Elisabeth den Schimmel ritt. Das kluge Tier schien stolz zu sein unter seiner jungen Reiterin; es spitzte verständnisvoll die Ohren und selbst der leichteste Zungenschlag entging ihm nicht. Wenn aber seine Herrin, sich herabbeugend, freundlich zu ihm sprach und ihm den glänzenden Hals klopfte, da warf es schäumend den Kopf auf und nieder und stampfte lebhaft den Boden.