In wenigen Stunden waren die Räume soweit instand gesetzt, daß man daran denken konnte, die kranken Soldaten aus den einzelnen Häusern in ihr neues Heim zu schaffen.
Man zählte: dreiundzwanzig Kranke sollten es sein, und neunundzwanzig Betten standen bereit. Gottlob! Soweit war alles geglückt, das Hospital war fertig. Der Tanzsaal allein konnte zwölf Kranke aufnehmen, und die übrigen fanden in den beiden Gastzimmern daneben und im Schulzimmer Unterkunft.
Gegen Mittag brachte man die Kranken von allen Seiten heran. In Decken und Betten gehüllt, wurden sie vorsichtig bis zum Gasthof gefahren; aus den näher liegenden Häusern trugen sie die Einwohner dahin.
Alles beteiligte sich daran. Die beiden Ärzte waren vorher emsig von einem Haus in das andere geeilt und hatten die letzten Anordnungen für den Transport gegeben. Nun standen sie inmitten der frischen Betten und überwachten das sorgsame Hineinlegen der Kranken. Ein Neugeborenes kann nicht zärtlicher und liebevoller von seiner Mutter in den Arm genommen werden, wie mit den Soldaten die Rehefelder verfuhren, und die Kinder trugen den mit ihrer Bürde behutsam Dahinschreitenden die wenigen und armseligen Kleidungsstücke nach.
Das Mitleid mit den Unglücklichen hatte die ganze Einwohnerschaft ergriffen, und man suchte in der Betätigung für die Notleidenden einander zu übertreffen.
Unter denen, die sich von den frühesten Morgenstunden ab um das gute Gelingen des Werks bemüht hatten war auch Max.
Nachdem er mit seiner Mutter kurz besprochen hatte, was sie an Betten und Gerätschaften beisteuern konnten, war er hinüber nach Zehmen geritten. Die Militärärzte hatten erklärt, daß sie nicht länger bleiben könnten, da ihre Hilfe in dem mit Kranken überfüllten Leipzig nur allzu dringend gebraucht würde. Aus diesem Grunde war er zu dem in diesem Dorfe wohnenden Arzt geeilt, der freilich schon seit Jahren infolge hohen Alters seinen Beruf nicht mehr regelmäßig ausübte, um ihn um seinen Beistand für die jetzige Zeit der großen Not zu bitten. Er fand den Greis im Bette liegend und krank, so daß dieser ihm nur ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben konnte und in Aussicht stellte, nach einigen Tagen selbst einmal nach den Kranken zu sehen.
5. Kapitel.
Als Max gegen Mittag zurückgekehrt war, hörte er, daß die Kranken in dem schnell hergerichteten Spitale nunmehr glücklich untergebracht seien.
Er konnte einen Ausdruck der Befriedigung darüber nicht unterdrücken, und ein Gefühl der Beklemmung wich von ihm bei dem Gedanken, daß die Einwohner Rehefelds der unmittelbaren Gefahr der Ansteckung nicht mehr ausgesetzt wären.