Mit all diesen Fragen beschäftigten sich die drei Rehefelder eifrig, und wenn auch jeder von ihnen viel darum gegeben hätte, zu erfahren, was er zu wissen wünschte, so soll doch nicht verhehlt werden, daß sich besonders das junge Mädchen im geheimen diese Fragen immer wieder auf das eindringlichste stellte, die befriedigenden Antworten darauf ihr aber nicht gelingen wollten.
Der junge Bursche rückte wieder an Antonie heran; als er sich aber anschickte, sie wie vorhin zu umfangen, deutete das Mädchen ihm durch stumme Zeichen an, daß dies in Gegenwart des Fremden wohl nicht schicklich sei. Hermann schien jedoch für die verstohlene Äußerung jungfräulichen Taktes nicht das genügende Verständnis zu besitzen, denn sie sah sich veranlaßt, ihm heimlich einen genügend hörbaren Klaps auf die Hand zu geben und dem verdutzt Dreinschauenden obendrein verweisende Worte zuzuwispern.
Daß Hermann sie gerade in der Betrachtung des kleinen Medaillons gestört hatte, das verstohlen von dem goldenen Armband des Fremden aus dem Ärmel hervorlugte, und in dem sie mit echt weiblichem Scharfsinn ein schönes Frauenbild vermutete, zu dem wohl zwei schwere Zöpfe gehörten, vielleicht von einem solch lieblichen Blond wie die krausen Locken, die sich unter dem Hute des Fremden hervorgedrängt hatten und nun über der Stirn im leichten Windhauch zitterten, daß Hermann sie aus diesen wichtigen Betrachtungen gerissen hatte, sagte sie ihm freilich nicht.
Der Fremde hatte den Rest der Milch ausgetrunken, und Antonie beeilte sich, ihm das leere Glas abzunehmen.
Wenn die Alte bisher nur einige Male zu dem im Grase Liegenden heimlich hinübergeschaut hatte, so schien ihr aber jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Verhör gekommen.
Eben hatte sie eine große Kartoffel geschält und wie sie diese zerschnitt, fielen beide Hälften klatschend in die Schüssel, daß das Wasser über den Rand spritzte. Und mit diesem Laut war der Bann ihrer Zunge gebrochen.
»Der Herr ist heute wohl lange gewandert?« fragte sie.
Der Angesprochene hatte sich im Grase lang ausgestreckt und den Kopf in die Hand gestützt; er schien diese Frage schon längst erwartet zu haben.
»Ja,« sagte er, »so reichlich zehn Stunden bin ich heute unterwegs, und die Sonne hat mich von allen Seiten gehörig beschienen.«
»Ei, ei, das ist lange,« versetzte die Greisin, die ihre Kartoffeln ganz vergaß, »das kann nicht jedermann tun. Nun dafür hat aber der Herr gestern gewiß weidlich geruht.«