Und mit fliegendem Atem, gleichsam als dränge es ihn, nun, nachdem das Geheimnis offenbart war, seine Seele von allem, was sie bedrückte, zu entlasten, sprach er von seiner tiefen Liebe zu der Schwester seines Freundes.

Ohne ein Zeichen der Überraschung zu geben, hatte die Mutter dem Sohne zugehört. Nun sagte sie leise:

»Ich habe dies alles ja schon längst gewußt, Konrad. Denn an Deinem Vater habe ich es gelernt, in der Seele eines verschlossenen Menschen zu lesen. Hast Du dem Mädchen Deine Liebe gestanden?«

»Sie ahnt nichts. Und hätte ich es tun können? Bedenke doch, welch ein Kind Elisabeth noch ist. Sie würde es kaum für Ernst genommen haben, wenn ich gesprochen hätte.«

»Du hast recht,« versetzte die Mutter, »dem Kinde darfst Du vorerst nichts davon sagen. Aber mit Elisabeths Mutter mußt Du alsbald sprechen, das wird verständig sein. Die Freihoferin ist eine kluge Frau und schätzt Dich.«

Hier schwieg Konrad eine Weile. Dann sprach er mit benommener Stimme:

»Aber denkst Du, Mutter, daß ich es tun darf? Es ist ein gewagtes Ding, den Rabensteiner Hof mit dem Freihof zu versippen!«

»Du Narr,« fuhr da die Alte auf und machte eine heftige Bewegung, daß sie die untätig im Schoß liegenden Hände auseinanderriß, und sie beinahe den Spinnrocken noch umgestoßen hätte. »Wohin ist denn Dein Stolz? Denkst Du, daß die Alte auf dem Freihofe ihr Kind dem verschachern wird, der ihm die meisten Hufe und das weiteste Ackerland bietet? Sie würde Dir’s danken, wenn sie wüßte, wie Du sie einschätzest. Freilich ist der Besitz am Rabenstein nicht groß und nicht zu vergleichen mit dem der Tiefenbachs. Doch wissen’s alle,« setzte sie mit Befriedigung hinzu, »daß es eine saubere Wirtschaft ist, und daß unser kleines Land zu den besten der Umgebung gehört. Aber, papperlapapp, was reden wir da für unnützes Zeug. Du wirst rasch handeln, wie Du es sonst tust. Geh alsbald hinab zur Mutter des Mädchens, das Du liebst, und schütte ihr Dein Herz aus.«

Darauf blieben die beiden noch eine Weile beieinander sitzen. Die Mutter wandte sich von neuem zum Spinnrad, ordnete mit flinker Hand die leicht in Verwirrung gekommenen Fäden und legte die volle Strähne wieder fest auf das sich unruhig bewegende Rad. Bald darauf schnurrte dies wieder lustig, und die Alte sah wie vorhin aufmerksam auf den sich abwickelnden Faden.

Konrad aber betrachtete mit zerstreuten Blicken die leicht vornübergebeugte Gestalt seiner Mutter und wollte bemerken, daß der Knoten, der von dem schlicht zurückgestrichenen, grauweißen Haar auf dem Hinterkopfe gewunden war, eigentlich recht klein geworden war, und daß die Linien des sich ihm von der Seite darbietenden Gesichts und des Halses doch sehr scharf hervortraten. Aber so recht zum Bewußtsein kam ihm dies nicht. Sein Blick richtete sich nach innen, und er vergaß seine Umgebung.