Das Gesicht starr wie aus Stein, die Lippen, aus denen jeder Blutstropfen gewichen war, fest aufeinandergepreßt, und den Blick auf den Boden geheftet, saß die Freihoferin unbeweglich im Stuhle, den einen Arm schwer auf den Tisch stützend.

Zwei, drei Sekunden vergingen in diesem Schweigen. Dann schob Konrad den Oberkörper weit vornüber, daß sein Mund sich dicht vor dem Gesicht der Freihoferin befand. Er wußte die Veränderung der Greisin nicht zu deuten, deshalb begann er von neuem und stieß mit gepreßter Stimme die Worte hervor:

»Ich besitze nicht viel, was ich Euerm Kinde bieten könnte. Ihr wißt, der Rabensteiner Hof ist eng und sein Ertrag klein. Aber wenn’s Euch gefällt zu hören, so verrate ichs Euch, der Mutter, daß ich Euer Kind liebe aus der tiefsten Stelle meines Herzens heraus und daß ich sein Leben und Glück behüten würde wie einen kostbaren Schatz, den mir die Engel vom Himmel herab in mein Heim getragen haben!«

In überschäumender Leidenschaft hatte der Mann diese Worte ausgesprochen und seine ehrlichen Augen fest auf die Freihoferin gerichtet.

Aber die Greisin rührte sich nicht, hob nicht einmal den Blick, um ihn dem Bittenden zu gönnen.

Da schlug der junge Mann die Augen nieder und langsam, als ob es ihm Schmerzen bereite, richtete er sich aus seiner vornübergebeugten Haltung auf und trat einen Schritt zurück.

Dann sprach er mit unsäglich bitterm Auflachen:

»Da hätte mich die Mutter nicht zu schelten brauchen, als ich die Befürchtung aussprach, daß zum Brautwerber auf dem Freihofe der Rabensteiner zu gering sein würde!«

Bei diesen Worten machte die Freihoferin eine matte Bewegung, als wenn sie Konrad am Weitersprechen hindern wollte. Doch der warf trotzig den Kopf in den Nacken, griff nach der Mütze und wandte sich zur Tür. Da drangen ihm in scharfem Tone die Worte ins Ohr:

»Konrad, bleib und setze Dich zu mir!«