Der aber schlug den Blick zu Boden und machte eine Bewegung mit der Hand, als wenn es sich um eine leichte Sache handele.

»Warum willst Du meinem Dank wehren, Konrad?« sprach Max mit vor Bewegung zitternder Stimme, »der Geber darf sich dem Dank des Beschenkten nicht entziehen, sonst macht er diesem die Annahme der Gabe allzuschwer.« Dann legte Max seine Hände auf Konrads Schultern, beugte sich tief herab, daß er ihm in die Augen sah und fuhr fort:

»Wir sind seit unserer Kindheit Freunde, und ich habe immer gewußt, was ich an Dir besaß. Heute hast Du mir aber einen Dienst erwiesen, für den Dir zu danken meine Worte zu schwach sind. Ich bleibe für immer Dein Schuldner. Unser Freundschaftsbund, Konrad, ist durch diese Tat besiegelt fürs Leben!«

Dann reichten sich die Männer schweigend die Hände, worauf sich Max abwandte, um seiner ihn zu übermannen drohenden Ergriffenheit Herr zu werden.

Elisabeth aber richtete sich höher auf und sprach leise:

»Konrad, bitte komm zu mir.« Und wie dieser zu der Sitzenden getreten war, legte Elisabeth ihre Hand in die seinige, sah ihn mit allem von ihr ausgehenden Liebreiz ins Gesicht und sagte mit schmeichelnder Stimme:

»Die Mutter, Max und Du! Sprich, Konrad, willst Du von heute an mein Bruder sein?«

Da erfüllte das Herz des also Angesprochenen eine tiefe Bewegung, und auf seinem Gesicht begann ein wunderliches Spiel. Das Mädchen aber schlang den Arm um seinen Hals, zog den Mann zu sich herab und drückte ihre Lippen auf den zuckenden Mund.

11. Kapitel.

Der Frühling des Jahres 1813 war mit jener Pracht und Lieblichkeit ins Land gezogen, die alljährlich nach den dunkeln und rauhen Wintertagen wieder die Menschen erquicken und ihre Herzen lauter schlagen lassen. Die Sonne tat in kurzer Zeit Wunder; aller orten begann es zu sprießen. Die Wiesen bedeckten sich in wenige Tagen mit saftigem Grün, und zwischen den frisch aufgeschossenen Halmen der Gräser hoben die ersten Veilchen schüchtern ihre Köpfchen. Die Menschen kamen wieder aus den Häusern heraus, in die sie der diesmal so anhaltende und strenge Winter lange gebannt hatte. Mit durstigen Zügen atmeten sie die warme und würzige Luft, ließen die Augen weiden an dem geheimnisvollen, die Seele erhebenden Erwachen der Natur und lauschten frohen Herzens den muntern Weisen der zurückgekehrten Singvögel. Nun war es Gott sei Dank vorüber mit dem Untätigsein, und die Hände konnten wieder schaffen und die emsige Arbeit beginnen, deren Segen im Herbst ausgeschüttet wird.