Der Kranke schloß die Augen und stöhnte laut auf unter dem gewaltigen Schmerz, der seine Seele erfüllte.
Aber nur eine kurze Weile hielt diese Schwäche an. Mit ungeheuerer Anstrengung richtete er sich in den Kissen auf und lenkte die bereits verglasenden Augen von neuem auf das an seiner Seite sitzende, tief gebeugte Weib.
»Hört, Frau,« keuchte der Sterbende, »was glaubt Ihr, wird sich meine Mutter meines armen Weibes und seines Kindes in Liebe erbarmen?«
Mit eiserner Anspannung seiner letzten Kräfte hielt er sich auf den Ellenbogen gestützt aufrecht und sah forschend der Freihoferin ins Gesicht. Diese aber rührte sich nicht, ihre Züge waren steinern.
»Ihr überlegt?« fuhr er hastig fort, und der Atem drang pfeifend aus seinem Munde, während den abgezehrten Körper heftige Fieberschauer erzittern ließen. »Ja, überlegts Euch reiflich, doch tuts rasch, bitt’ ich Euch, sonst möchte Euer Spruch mir zu spät kommen!«
Aber die Greisin antwortete nicht, noch immer verharrte sie regungslos.
Da drohte dem Jüngling, die Kraft auszugehn. Mit übermenschlichem Willen widerstand er der Schwäche und stieß hervor:
»Beim ewigen Gott, Weib, sprecht! Vielleicht habt auch Ihr ein Kind, dem einstmals ein Mensch das Sterben mit ein paar Worten erleichtern könnte – – –«
In diesem Augenblick neigte sich die Freihoferin rasch über den Liegenden und sprach mit kaum vernehmlicher Stimme:
»Eure Mutter wird sich der armen Verlassenen erbarmen, mein Sohn!«