Diese Teilnahmlosigkeit reizte Max von neuem, und sein Ton hatte einen schlecht unterdrückten, scharfen Klang, als er hervorstieß:

»Und züchtigen mußte ich ihn, das hatte er verdient!«

»Ich gebe es zu, denn der Knecht darf sich nicht gegen seinen Herrn auflehnen,« lautete die rasche Antwort.

Max verstand seine Mutter nicht recht. Forschend sah er ihr ins Gesicht, in dem sich kein Muskel bewegte. Da wandte sich der junge Freihofer ab und verließ das Zimmer.

Die Greisin blieb in steifer Haltung am Fenster stehen und blickte sinnend durch die Scheiben. Mit einem Male stieß sie das Fenster hastig auf und rief den Mann an, der unter den Bäumen des Obstgartens herumlief. Es war der Großknecht, ein älterer Mann, der schon seit länger als zwanzig Jahren auf dem Freihofe war.

»Anton!« rief die Freihoferin zum Fenster hinausgebeugt in halblautem Tone. Der Angerufene sah sich um und kam herbei.

»Hat die Mutter Lehnhardt schon ihr Deputat für den Mai?« fragte sie leise.

»Für den Mai?« antwortete Anton, »für den Mai, Bäuerin? Nein, wir sind ja noch im April.«

»Dann tragt ihr’s noch heute Abend hinauf,« versetzte die Greisin. Darauf schloß sie das Fenster wieder und der Knecht lief den Weg zurück. In demselben Augenblicke aber, in dem er um die Scheunenecke biegen wollte, klang es hinter ihm her:

»Anton! Die Mutter Lehnhardt bekommt fortan nicht mehr ein Quart, sondern einen Halben Kartoffeln und anstatt der einen Speckseite zwei!«