Klirrend schloß sich das Fenster.
Ein paar Sekunden blieb der Mann stehen, die Augen dorthin gerichtet, wo die Gestalt der Freihoferin eben verschwunden war. Endlich ging er davon, sein Gesicht zu einem gutmütigen Grinsen verziehend.
***
Einige Tage waren darüber hingegangen. Der Regen floß in Strömen vom Himmel herab, und Max, dessen Gegenwart draußen notwendig gewesen war, war gegen Mittag, naß wie eine Katze zurückgekommen. Am Nachmittag mußte er am Schreibtisch arbeiten. Der Regen hatte endlich aufgehört, und ein heftiger Sturm hatte sich erhoben, unter dessen Stößen die Fensterscheiben klirrten. Max war in seine Bücher vertieft, als sich die Tür auftat und Pastor Reinerz ins Zimmer trat.
Beim Anblick des Greises konnte sich Max einer leichten Verlegenheit nicht erwehren, denn er meinte zu erraten, was diesen zu ihm führe.
»Grüß Euch Gott, Herr Max,« begann der alte Herr nach einem warmen Händedruck, und noch bevor Max ihm geantwortet hatte, schob er sich einen Stuhl näher zum Schreibtisch und setzte sich neben den unsicher Dreinschauenden.
»Ich komme von Eurer Schwester, der es besser geht als ich zu hoffen wagte, und nun wollte ich an der Tür nicht vorübergehen, ohne Euch einen Gruß gesagt zu haben,« hob Reinerz an, während Maxens Beklommenheit bei den ruhigen Worten zu weichen begann.
»Das Kind besitzt einen hohen Schatz, den es uns allen voraus hat. Sie ist nämlich einer jener seltenen Menschen, die keinen Feind haben,« plauderte der Greis.
»Damit mögt Ihr recht haben, Herr Pastor« entgegnete Max. »Ich wüßte auch wahrhaftig nicht, wer dem Kinde gram sein sollte.«
»Ja, ein Günstling des Schicksals ist der, bei dem solches zutrifft,« sprach Reinerz und strich liebkosend mit den Fingern die weißen Fäden des langen Bartes. »Viel Feind, viel Ehr, sagt das Volk. Nun, das ist nicht unrichtig. Wie viele Menschen gibt es aber schon, denen die Feinde mit dem Amt zu gleicher Zeit beschert werden. Es ist ein nur Wenigen beschiedenes Glück, sagen zu können: ich besitze keinen Widersacher.«