»Ich wünsche aber keinen Vermittler,« unterbrach Max ungeduldig den Sprecher. Doch ließ sich dieser nicht beirren, sondern fuhr fort:
»Wer will es hindern, daß die Leidenschaft, die sonst immer im festen Zügel liegt, nicht einmal durchbricht und ihres Meisters spottet. Du lieber Gott, es ist ja so überaus schwer einen Vorwurf dafür zu machen. Der Leidenschaftslose hat freilich leichtes Urteil über den Temperamentvollen. Eins aber muß man von dem Mann fordern dürfen: daß er dann, wenn die Wogen des Zornes sich geglättet haben bereit ist, die Schuld, die er beim Ausbruch seiner Heftigkeit auf sich lud, wieder einzulösen. Auch Ihr habt gefehlt und tätet gut, wenn Ihr mit mildem Auge die Schuld des Andern betrachten wolltet.«
Max hatte nur mit großer Beherrschung seine Ungeduld verbergen können. Jetzt erhob er sich hastig, trat einen Schritt zurück und sprach in entschiedenem Tone:
»Herr Pastor, ich kann begreifen, wenn Ihr es als Eure Aufgabe betrachtet zu schlichten, wo Streit entbrannt ist. Es gibt aber keine Streitenden, wo das sich auflehnende Gesinde von seinem Herrn gezüchtigt werden muß. Ihr werdet den Vorfall soweit kennen, daß Ihr auch wißt, wie lange Zeit ich mich beherrschte, bevor mich der gerechte Zorn übermannte.«
Langsam erhob sich auch Pastor Reinerz und sprach:
»Ich hätte geglaubt, Euch versöhnlicher gestimmt zu finden. Seht, Max, ich bin ein alter Mann, der in seiner Jugend auch ein rechter Hitzkopf gewesen ist. Deshalb weiß ich es nur zu gut, wie leicht der Zorn die kühle Überlegung zur Seite drängt. Sagt, wäre es Euch nicht möglich, das Unrecht, soweit es Euch trifft, wieder gut zu machen?«
Da begehrte Max heftig auf:
»Mein Unrecht? Was für ein Unrecht beging ich denn?«
»Das Unrecht, daß Ihr Hermann Lehnhardt reiztet, so daß er sich vergaß und daß Ihr Euch vom Zorn hinreißen ließet.«
»Nun, und Ihr vergeßt ganz, daß der Knecht den Arm erhob gegen seinen Herrn.«