Er wandte den Blick in die bezeichnete Richtung und trabte weiter. Wie er nahe an den Hof herangekommen war, sah er vor dem Hoftor auf der Straße einen Mann von hünenhaftem Wuchse stehen. Der Reiter trieb sein Pferd heran und blieb vor jenem halten.

Mit seinem Haselstock auf das Gut zeigend, fragte er:

»Ist das der Hof, auf dem die Tiefenbachs sitzen?«

Der Angesprochene sah den Reiter verwundert an und antwortete:

»Das ist der Freihof, und ich bin Max von Tiefenbach.«

Da flog ein Zug der Befriedigung über das glühende Gesicht des Burschen. Eilends riß er das Wams auf, griff hinein und zog ein zusammengefaltetes Papier hervor, das er dem vor ihm Stehenden reichte.

»Hier, nehmt und beeilt Euch! Der das geschrieben hat sagte, es gelte, einer Sterbenden noch etwas Liebes zu erweisen, und daraufhin bin ich geritten, als wenn ich zum Tode meiner Mutter noch zurecht kommen müsse.«

Hastig griff Max nach dem Papier, riß es auseinander und las seinen Inhalt. Und während er las, preßte er die Lippen so heftig aufeinander, daß sie weiß wurden. Langsam sank endlich die Hand mit dem Schreiben herab, während er den Blick zu Boden richtete.

Aber die Stimme des Reiters riß ihn aus seinem Brüten:

»Diese Börse soll ich Euch aushändigen,« sprach er, »sie enthält die ganze Barschaft meines Auftraggebers, und hier ist seine goldene Repetieruhr. Sonst hat er mir nichts aufgetragen.«