Max kämpfte seine Bewegung nieder und antwortete:

»Gebt her die Uhr. Den Beutel behaltet für Euern Ritt, denn auf diesem Gaule werdet Ihr wohl kaum wieder zum Dorfe hinauskommen. Sattelt ab und laßt Euch zu essen geben.«

Mit diesen Worten wandte er dem Reiter den Rücken und ging eilends nach dem Wohnhause. Der Bursche sprang vom Pferde, liebkoste das völlig erschöpfte Tier und zog es langsam auf den Hof.

***

In verschwenderischer Fülle drangen die schrägen Sonnenstrahlen des scheidenden Tages in Elisabeths Zimmer und erfüllten es mit goldenem Glanze. Die Kranke lag im Bett und hielt die Hand der neben ihr sitzenden Mutter in der ihrigen. Ihr Gesicht trug den Ausdruck schweren Leidens und war eingerahmt von dem üppigen Blondhaar. Keines von ihnen sprach ein Wort.

Da öffnete sich die Tür, und Max trat ins Zimmer. Mit leisen Schritten näherte er sich dem Bett und berührte mit der Hand schmeichelnd die Wange des Mädchens.

»Ich habe etwas für Dich, meine kleine Liesbeth,« sagte er und hob die Hand mit dem Papier hoch auf.

Die Kranke betrachtete eine kurze Weile in hoher Spannung das Gesicht des Bruders. Dann überlief ihren Körper ein Zittern und sie flüsterte:

»Max, lieber Max, wäre es möglich?«

Und mit gedämpfter Stimme las dieser die folgenden wenigen Zeilen: