Diese Worte trafen Heinrich wie ein Peitschenhieb.
»Herr Marschall ist ein Ehrenmann,« versetzte er mit leisem Beben in der Stimme. »Und was er tut, tut er zum Wohle des leidenden Volks!«
»Waas?« schrie Mißbach. »Bekennst du dich etwa auch für seine hochverräterischen Ideen?«
Linchen rang hinter dem Vater Heinrich die Hände zu. Jetzt kommt es zum Ärgsten, durchzuckte es sie. Heinrich gewahrte ihre Verzweiflung, aber er konnte sich nicht länger beherrschen! Nein – bei Gott, er konnte es nicht! Den väterlichen Freund in diesem Augenblick verlassen, hielt er für einen Schimpf. Und es mußte jetzt herunter von der Brust, was ihm lange schon fast den Atem raubte! Dem Vater furchtlos ins Gesicht sehend, antwortete Heinrich:
»Lügen kann ich nicht, Vater. Willst du es wissen, wie es um mich steht? Nun gut: ich bin auf der Seite des Herrn Advokaten!«
Feldwebel Mißbach stand regungslos inmitten des Zimmers, als wenn ihn der Schlag getroffen hätte. Seine mächtige Gestalt war hochaufgereckt, und seine breite Brust arbeitete schwer. Er rang nach Luft, um nicht zu ersticken. Plötzlich schlug er eine entsetzliche Lache auf.
»Hahaha! So hat mich meine Ahnung doch nicht betrogen,« höhnte er zwischen keuchenden Atemstößen, die seinen starken Körper erschütterten. »Seit sechsunddreißig Jahren trage ich den Rock des Königs in Ehren, damit ihn schließlich das eigene Blut in den Straßenkot zerrt. Hahaha!«
Plötzlich riß das erzwungene Lachen ab. Eine maßlose Wut flammte in dem jähzornigen Manne auf.
Linchen wußte, was kommen würde und eilte instinktiv zu dem Bruder. Da machte der Vater mit dem Arm eine abwehrende Bewegung gegen sie, daß der leichte Körper des Mädchens wie ein Ball zur Seite flog. Dumpf schlug sie mit der Stirn gegen den eisernen Untersatz des Kachelofens und blieb ohnmächtig liegen.
Mit einem Sprung stand Mißbach jetzt vor seinem Sohn und packte ihn mit der Faust an der Kehle.