Der junge Mann gehorchte und nahm dem Vater gegenüber am Tische Platz. Linchen ging zum Fenster, holte den eisernen Leuchter und stellte ihn auf den weißgescheuerten Tisch. Dann brachte sie das Abendbrot. Mißbach ergriff den frischen Brotlaib, kratzte mit dem Messer drei fromme Kreuze darauf und schnitt auf.
»Das Ränftchen kriegt heute der Junge,« sprach er und warf Heinrich den knusperigen Anschnitt zu.
»Frisches Wurstfett von Beilichs,« sagte Linchen, dem Vater den Napf hinschiebend.
»Ausgezeichnet!« frohlockte dieser und strich das grünliche Fett dick auf die Schnitte.
»Hier, Junge – und nun iß!«
Linchen setzte sich zwischen Vater und Bruder an die Schmalseite des Tisches und schnitt eine saure Gurke in Scheiben.
Mißbach war ein hoher Fünfziger, von straffer, soldatischer Haltung. Seine Brust war breit, und der weißhaarige Kopf saß auf einem wahren Stiernacken. Seine gute Stimmung war offensichtlich.
»Kinder,« versetzte er, mit vollen Backen kauend, »heute ist der Tag von Leipzig. Gott straf' mich, – mein Ehrentag! Laßt's euch erzählen, wie's zuging.«
Die Geschwister kannten die nun folgende Geschichte schon auswendig.