»Halt!« rief Mißbach, bevor er begann, lief zur Tür und schrie hinaus:

»Hegenbarth!«

Linchen trat währenddessen zum Schrank und nahm ein großes Glas mit silbernem Deckel heraus, auf dem inmitten eines erhaben gearbeiteten Eichenkranzes ein kleiner Tschako aufgelötet war. Das war das Bierglas, das Feldwebel Mißbach von den Offizieren des Regiments am Tage seines dreißigjährigen Dienstjubiläums als Geschenk erhalten hatte.

Soldat Hegenbarth, Mißbachs Faktotum, trat in die Stube, nahm das Glas und brachte es nach erstaunlich kurzer Zeit mit dunkelm Bier gefüllt zurück.

»Also, der Tag von Leipzig!« rief Mißbach mit blitzenden Augen. »Prost!«

Nachdem er einen tiefen Zug getan, wischte er mit dem Handrücken den Schaum von dem langen Schnurrbart, strich rasch ein paarmal die Enden hinaus und begann:

»Ihr wißt, wie ich's im Sommer Anno dreizehn bei meinem Gutsherrn nicht mehr aushielt. Als von Leipzig die Kunde ins Land ging, eine Anzahl Studenten hätte sich den Preußen angeschlossen, marschierten wir ihrer fünf Bauernjungen aus dem Sächsischen geradeswegs in die Festung Magdeburg hinein. Hier lernten wir rasch den Schießprügel gebrauchen. Ein paar Wochen darauf standen wir schon unter Blüchers Kommando. Alles war fieberhaft erregt; man munkelte, es würde bald losgehen.

Da krachten von Leipzig her Kanonen. Wir schrien auf vor Ungeduld! Was befiehlt aber der schuftige Bernadotte dem Blücher? Marschieren Sie nach Wittenberg! Doch unser Alter war viel zu schlau. Er ließ sich durch Napoleons Geflunker nicht täuschen wie der Schwedenprinz. Pariert also vor dem Feind nicht Order, sondern rückt nach Leipzig! Wär's schief gegangen, so hätten sie ihn vor den Sandhaufen gestellt!

Bei Möckern kriegen wir endlich den Marmont zu packen, aber gleich so fest, daß ihm die Luft ausgeht. Gottstrambach! Wir waren einfach nicht mehr zu halten. Ganze Bataillone brachen vor ohne Kommando, über Hecken, Zäune und Mauern hinweg. Die Franzosen hatten das Dorf besetzt und wollten es nicht hergeben. Wir stürmen! Kartätschen schlagen in uns ein und metzeln die Kompagnien reihenweis nieder. Wir stürmen! Da sind wir Mann an Mann. Jetzt war ihnen das letzte Brot gebacken!