Ja und abermals ja! schrie eine andere Stimme in ihm den Warner nieder. Wie würde sich Herr Marschall freuen – und die Madam – und Valentine –

Da eilte er schon zur Tür, öffnete und beugte sich vorsichtig hinaus, – alles war still. Er trat auf den Korridor und klinkte die Tür leise wieder zu. Dann sprang er die Treppenstufen hinauf und stand nun vor den Offizierswohnungen. Dort befand sich die Stube vom Leutnant Allmer, die kannte er. Mit ein paar Sätzen war er an der Tür und glitt hinein. Das Zimmer war unaufgeräumt, wie es sein Bewohner in der Eile des Alarms verlassen hatte. Der Kleiderschrank stand weit geöffnet; ein grauer Zivilanzug hing vornan, darüber lag auf einem Brett ein kleiner, runder Hut.

Mit zitternden Händen riß Heinrich die Knöpfe seines Waffenrocks auf, warf die Uniform ab und fuhr in den Anzug. Er war ihm zu eng, aber was tat das! Zwei Minuten später, als er das Zimmer betreten, stand er wieder auf dem Korridor.

Die Sinne aufs äußerste anspannend, lief er die Treppen hinunter bis ins Kellergeschoß und jagte dann durch den langen Gang, um das hintere Tor nach der Ritterstraße zu erreichen. In der Kaserne herrschte eine tiefe, befremdende Stille. Als er das Ende des Korridors erreicht hatte, sprang er die Halbtreppe hinauf, nach dem Ausgang auf den Kasernenhof. Hier war das Kompagnierevier seines Vaters. Unwillkürlich warf er einen Blick hinein.

Da hörte er leises Geräusch. Und wie er sich umwandte, sah er einen Menschen, bei dessen Anblick ihm das Herz fast stillstand: an der leeren Gewehrstütze lehnte totenblaß Linchen. Heinrich war wie gelähmt. Stumm trafen sich die Augen der Geschwister. Plötzlich streckte das Mädchen flehentlich die Hände nach dem Bruder aus und sank lautlos auf die steinernen Fliesen nieder, während sich Heinrich blitzschnell umwandte und davonschoß. Er hörte noch, wie hinter ihm ein menschlicher Körper dumpf auf die Steinplatten aufschlug, – dann sprang er auf den Kasernenhof hinaus.

Mit wenigen Sätzen war er an demselben Tor, das er in jener unheilvollen Nacht überstiegen, kletterte mit Hilfe der wagrechten Balken hinauf und sprang auf die Straße hinunter. Nun rannte er am Gerichtsamt vorbei, um das Arresthaus herum und die Hospitalstraße hinunter bis zur Glacisstraße.

Hier stand dicht am Elbufer ein niedriges Haus, aus dessen Fenstern ein alter Herr und ein schönes, junges Mädchen mit bleichem Gesicht verwundert auf den Eilenden blickten.

»Hallo,« rief Heinrich im Näherkommen dem Fährmann zu, »schaff mich hinüber!«

In der nächsten Sekunde sprang er ins Boot, und der Staken des weißhaarigen Schiffers stieß ins Wasser.