»Eine schöne Büchse, nicht?« fragte er stolz. »Noch bevor es Ernst wurde, habe ich die Gewehre beim Büchsenmacher Gründig gekauft. Sie sollen ausgezeichnet schießen, versicherte er mir.«
Nun stopfte sich Heinrich noch die Taschen voll Patronen, und dann verließen sie die Wohnung wieder.
»Wir gehen zu der Barrikade auf dem Zeughausplatz,« sagte Herr Dietze in Kampfstimmung. »Wenn die Truppen angreifen sollten, geht es an der Brühlschen Terrasse sicher zuerst los.«
Sie liefen den Weg, den sie gekommen, wieder zurück und meldeten sich bei dem Kommandanten der Barrikade, unweit des Gondelhafens. Dieser Freischärler war ein wüst aussehender Kerl, der dem Branntwein stark zugesprochen hatte. Er begrüßte die beiden Ankommenden mit Handschlag und brachte ein Hoch auf sie aus, in das die Barrikadenbesatzung begeistert einstimmte, worauf Herr Dietze mit einem Hoch auf die Freiheit antwortete.
Hier erfuhren sie auch, daß die Führer des Aufstandes mit dem Zeughauskommandanten eine Konvention abgeschlossen hatten, nach der die Kommunalgarde die Wache des Zeughauses und die Posten besetzt hielt, während die Truppen das Innere des Gebäudes bewachten.
Plötzlich nahm der Lärm des Gewehrfeuers im Zentrum der Stadt erheblich zu. Die Besatzung der Barrikade brach hierüber in laute Jubelrufe aus, die sich unter den auf dem Zeughausplatz müßig Herumstehenden fortpflanzten.
Da kam die Nachricht, daß der Kriegsminister den Befehl über das gesamte Militär dem Generalleutnant von Schirnding übertragen habe. Diese Kunde bereitete den Freischärlern, soweit sie diesen alten Veteranen aus den Freiheitskriegen von ihrer Dienstzeit her kannten, einiges Unbehagen. Denn der General galt als ein umsichtiger und außerordentlich energischer Offizier.
Aber bald war die anfängliche Beklemmung wieder gewichen, und die Besatzung harrte voll Ungeduld des Angriffs der Truppen. Besonders waren es die Turner, deren Kampfbegierde kaum noch zu zügeln war. An der hinteren Seite der Barrikade waren große Fässer aufgestellt, über die starke Bretter führten. Auf dieser Laufbrücke stand die Besatzung, die Gewehre über den oberen Barrikadenrand hinweggeschoben. Aber nirgends war ein Soldat zu sehen.
Unter den Harrenden ging gerade wieder einmal die frisch gefüllte Schnapsflasche herum, als plötzlich das Kommando erscholl:
»Achtung!«