Die Mauern von Stadt Rom und den Nachbarhäusern der kleinen Kirchgasse waren von den Verteidigern durchgeschlagen worden. Heinrich hing das Gewehr über die Achsel und verließ auf diesem Wege das Hotel. Als er die Badergasse erreicht hatte entschloß er sich, die Barrikade bei Stadt Gotha aufzusuchen, von deren Stärke er im Hotel Rom schon gehört hatte. Dort war er auch in Marschalls nächster Nähe.

Auf dem Altmarkt war das Gewühl so dicht, daß Heinrich nur langsam durchkommen konnte. Aus den Dörfern im Plauenschen Grunde kamen gerade Wagen mit Lebensmitteln an. Auch zwei große Scharen auswärtiger Turner, die mit nicht endenwollenden Jubelrufen empfangen wurden, marschierten in geschlossener Ordnung nach dem Rathaus.

Beim Betreten der Schloßgasse hörte Heinrich die Kugeln der im Thronsaal des Schlosses aufgestellten Truppen pfeifen. Er lief schnell bis zur Rosmaringasse und meldete sich beim Barrikadenkommandanten.

»Sie können gleich hinaufsteigen, mein Sohn,« versetzte dieser, ein älterer, anscheinend den höheren Ständen angehörender Herr. »Zeigen Sie, ob Sie auch schießen gelernt haben.«

Heinrich kletterte die Leiter empor und trat hinter die Brüstung. Er staunte über die Größe und Festigkeit dieser Barrikade. Sie reichte fast bis zum zweiten Stock des Hotels und war ganz aus Pflastersteinen und Granitplatten gebaut. Auf der Plattform lagen die Verteidiger Mann an Mann und schossen unaufhörlich nach dem Schloß, aus dessen Fenstern über dem Georgentor das Feuer heftig erwidert wurde. Zu Füßen der liegenden Schützen kniete eine zweite Reihe, und über diese hinaus ragten die Köpfe des hinter der Barrikade auf Laufbrettern stehenden dritten Gliedes.

Das unaufhörliche Krachen der Gewehre von den in drei Etagen feuernden Schützen in der schmalen Schloßgasse mit ihren hohen Häusern war ohrenzerreißend und machte eine mündliche Verständigung auf der Barrikade nahezu unmöglich.

Heinrich stellte sich in die hinterste Reihe, legte die Gewehrmündung auf eine der quer gezogenen Latten und schoß so lange, bis er keine Patrone mehr hatte.

Da sah er ein paar große hölzerne Eimer stehen, woraus jeder, der sich verschossen hatte, seine Munition ergänzte. Und da fast alle Freischärler die erst vor kurzem in den Handel gekommenen Hinterlader besaßen, paßten die Patronen für jedes Gewehr.

Plötzlich bemerkte Heinrich, wie in der Tiefe des Georgentores einige Soldaten sichtbar wurden. Und sein scharfes Auge erkannte eine Kanone, deren Umrisse in dem Hintergrund des dunklen, durchgangartigen Tores nur schwer zu sehen waren.