Noch zielte er darauf, als das Geschütz unter donnerartigem Krachen abgefeuert wurde. Im nächsten Augenblick schlug der Vollkugelschuß in die Vorderwand der Barrikade ein, den festen Bau erschütternd.

Eine kurze Weile stockte auf der Barrikade das Feuer, und man hörte, wie der heftige Luftdruck Hunderte von Fensterscheiben des Schlosses und der ihm zunächstliegenden Häuser der Schloßgasse zertrümmerte und wie die herabfallenden Stücke auf dem Straßenpflaster zersplitterten. Dann nahm die Barrikadenbesatzung das Feuer mit vermehrter Heftigkeit wieder auf.

Bald krachte das Geschütz drüben noch einmal, und als Antwort schrien bei den Freischärlern ein paar Stimmen verzweifelt auf. Diesmal war es ein wohlgezielter Kartätschenschuß gewesen, der dicht über die Brüstung hinweggestrichen war.

Das erste Opfer war ein blutjunges Bürschlein, – zart wie ein Mädchen. Laut stöhnend wurde er an Heinrich vorübergebracht. Seine Brust war durch einen Steinsplitter vom Herzen bis zum Hals aufgerissen. Der junge Mann, fast noch ein Knabe, blickte aus stieren Augen und stammelte wirre Worte. Plötzlich rief er gellend: »Mutter, – – Mutter!« dann fiel sein Kopf zurück.

Nach ihm wurden zwei Tote hinabgelassen und hierauf noch ein Verwundeter, ein bartloser Student mit den Farben der Leipziger Saxonen. Heinrich sah, wie dieser die Hand lächelnd auf den Unterleib preßte und heldenhaft jeden Schmerzenslaut unterdrückte. Aber von seinen Lippen floß Blut, so biß er darauf.

Aufs äußerste erbittert, richteten jetzt alle die Gewehre auf den Eingang des Georgentors, und ein Triumphgeschrei brach aus, als das Geschütz plötzlich zurückgezogen wurde.

Dafür feuerten die Truppen aus den Fenstern des Thronsaales nun um so heftiger, und die Zahl der Verwundeten auf der Barrikade wurde immer größer. Auch hörte man jetzt in der Richtung des Neumarkts Kanonenschüsse, und das Gewehrfeuer, das vom Zwinger herüberschallte, steigerte sich von Minute zu Minute.

Der Barrikadenkommandant war auf die Brüstung gestiegen. Hier stand er, auf den blanken Säbel gestützt, furchtlos inmitten des dichten Kugelregens und feuerte die Verteidiger zu immer rascherem Schießen an.

Plötzlich hörte Heinrich, wie in seinem Rücken eine Stimme in den betäubenden Lärm hineinschrie: