Ein sinnbetäubender Lärm hob an. Alles schrie durcheinander. Einige forderten dazu auf, das Rathaus zu stürmen. »Dort sitzen die Schufte und tun sich gütlich! Wir können unterdessen umkommen wie Hunde!«
Ein alter Kommunalgardist versuchte, die ärgsten Schreier zu beruhigen.
»Die provisorische Regierung,« meinte er begütigend, »arbeitet die ganze Nacht durch. Habt nur Vertrauen, Mitbürger, sie wird schon alles gut hinausführen.«
»Was, der Schwarzgelbe will Fisematenten machen und uns nasführen?« brüllte ein zerlumpter, riesenhafter Kerl, trat hinzu und schlug den Kommunalgardisten mit der Faust ins Gesicht, daß diesem das Blut aus dem Munde brach und er zur Seite taumelte.
»Es lebe die Menschlichkeit!« schrien Tausende von Stimmen. »Hoch die Freiheit! Nieder mit der Regierung! Tod dem König! Tzschirner, Tzschirner … hooch!«
Da trat der Gerufene auf den Balkon des Rathauses.
»Nieder mit dem Verräter!« empfingen ihn wütende Rufe. »Zerreißt das Aas in Kochstücke!« und wieder: »Hoch, Tzschirner! … hooch!«
Die Parteien gerieten zusammen. Brüllend wie Tiere schlugen sie mit Knüppeln und Fäusten aufeinander ein, zerkratzten und zerbissen sich die Gesichter und rissen sich die Kleider in Stücken vom Leibe. Die am Boden sich wälzenden Knäuel gerieten in Gefahr, unter die Füße der drängenden Menge zu kommen.
Da – ein Trompetenstoß! Der Tumult verringerte sich. Alles horchte.
Advokat Tzschirner, das Oberhaupt der provisorischen Regierung, beugte sich über das Balkongeländer und rief mit gemachtem Pathos über die Köpfe der wie durch einen Zauberspruch plötzlich still gewordenen Menge hinweg: