»Wie steht es um die Sache! Willigt die Regierung in die Verfassung ein?«

»Die bisherige Regierung hat aufgehört zu existieren,« antwortete der Oberstleutnant. »Es gibt keine anderen Machthaber in Sachsen, als die provisorische Regierung des die Knechtherrschaft niederwerfenden Volks!«

Bei diesen Worten lief eine Bewegung durch die Angekommenen.

»Wenn die Minister nicht mehr sind,« rief der Mann wieder, »mit wem verhandelt ihr denn dann?«

»Es gibt nichts mehr zu verhandeln,« antwortete es von oben herab. »Die Würfel sind gefallen! Wir kämpfen gegen die schandwürdigen Söldlinge der Tyrannei, die in dem Blut ersticken sollen, das um ihretwillen vergossen worden ist.«

Während dieser Wechselrede war es auf dem weiten Platz merkwürdig still geworden. Jeder bemühte sich, die gesprochenen Worte zu erhaschen.

»Das klingt aber doch ganz anders,« rief der Führer wieder, »als eure gedruckten Proklamationen, die ihr uns sandtet. Da hieß es, eine große bewaffnete Kundgebung sei unternommen, um den König von dem ernsten Willen des Volks zu überzeugen.«

»König?« – – – Kommandant Heinze lachte spöttisch auf. »Der König ist mitsamt seinen Ministern geflohen. Das Feld gehört uns! Und wir wollen den mit Bürgerblut gedüngten Acker bestellen, daß die Saat der Freiheit herrlich aufgeht. Nieder mit allen Knechtenden des Volks! Hoch die menschenbeglückende Freiheit! Hoch die Revolution!«

Ein Sturm brauste über den weiten Platz. Hüte und Fäuste wurden in die Luft geworfen, und das Tosen von abertausend Stimmen schlug wie schäumende Brandung gegen die Häuser: »Hoch die Freiheit! Hoch die Reichsverfassung! Hoch die Revolution!«

Der starke Mann unter dem Balkon des Rathauses stand eine Sekunde lang wie versteinert. Dann wandte er sich zu seinen Leuten. Seine starke Stimme bebte in tiefer Bewegung, als er ihnen zurief: