Nun stand er auf dem Hof. Hier war es still. Der Lärm drang vom Altmarkt nur wie entferntes Summen herein. Das Schießen hatte wohl schon seit einer Stunde aufgehört. Jetzt mochte es elf Uhr sein. Der Himmel war bewölkt, und der Hof des Rathauses lag in tiefem Dunkel.

Heinrich stellte das Gewehr an die Wand und legte sich auf den Erdboden. Ah – wie das wohl tat! Und er fühlte, daß er zum Umsinken müde gewesen war. Nur jetzt nicht mehr denken, bloß schlafen.

Er versuchte, seinem Körper eine bequeme Lage zu geben, was ihm denn zuletzt auch leidlich gelang. Nur unter den zu tief liegenden Kopf hätte er gern eine Unterlage gehabt. Zwar war es empfindlich kühl, aber das würde ihn nicht sonderlich stören.

Da stieß er in seinem Bemühen, den Arm unter den Kopf zu legen, mit der Hand an etwas Hartes. Er richtete sich auf und sah sich um. Hinter ihm war ein großer Haufen Steine, wie ihm schien, an der Wand aufgeschichtet. Schon halb im Schlaf beugte er sich zurück, ergriff einen und legte den Kopf darauf. So ging es besser. Doch was war das? Roch der Stein nicht wie Brot?

Vollständig ermuntert fuhr Heinrich auf und untersuchte den vermeintlichen Stein. Wahrhaftig, es war ein Brot! Hart zwar, aber doch Brot. Der wohlgesetzte Haufen war gewiß für die Verpflegung der Barrikadenkämpfer bestimmt. Da fühlte er mit einem Schlage wieder den nagenden Hunger, den er schon vergessen hatte.

Diese köstliche Entdeckung erschien ihm wie ein Wunder. Aber er grübelte nicht weiter nach, sondern zerbrach das Brot über dem Knie und fiel heißhungrig darüber her. Das schmeckte! Binnen kurzer Zeit hatte er die Hälfte aufgezehrt. Dann griff er noch einmal zurück, nahm ein zweites Brot und legte den Kopf darauf. Die Sättigung bereitete ihm Wohlbehagen, daß er sich vergnügt streckte. Madam Marschall, dachte er noch, Valentine – – – dann war er fest eingeschlafen.


Der Angriff auf das Turmhaus.