»Vater, du bist grausam! Bedenke doch, wie gern wir zu Marschalls gehen.«
»Mehr als mir lieb ist.«
»Besinn' dich auf alles, was wir ihnen zu danken haben …«
Mißbach trank ruhig sein Bier aus.
»Heul' nicht, Mädel,« sagte er kurz. »Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß wir diesen Leuten Dank schulden. Der Herr Advokat ist ein Ehrenmann! Wer das jemals in Abrede gestellt hätte, wär' mein Feind gewesen. Aber seit einiger Zeit ist auch in ihn, wie in so manchen andern hochachtbaren Mann, der Teufel gefahren. Ich darf es nicht mehr länger mit ansehen, daß meine Kinder im Hause eines Anhängers der Opposition ein- und ausgehen. Basta!«
Heinrich hatte während dieser Unterhaltung still vor sich hin gesehen. Sein Denken und Tun war von Natur aus schwerfällig; darin unterschied er sich aufs schärfste von seinem Vater. Aber wenn er sich in etwas verbissen hatte, so ließ er auch nicht wieder davon ab. Einen gefaßten Vorsatz verfolgte der junge Mann mit äußerster Zähigkeit.
Jetzt räusperte sich Heinrich und versetzte stockend:
»Wer kann denn aber behaupten, daß die Demokraten sich nicht um das Wohl des Volkes sorgten? Die Männer, die an der Spitze dieser Bewegung stehen, werden bloß deshalb angefeindet, weil sie anders wollen, als die Regierung.«
Mißbach nahm die Pfeifenspitze aus dem Mund und sah seinen Sohn mißbilligend an.
»Und die offene Gewalt, die sie anderwärts schon anwendeten?« sagte er barsch. »Warum reizen sie die Menge auf, bis Blut fließt? So machten sie es in Berlin und erst vor kurzem auch in Wien. Ich habe nicht danach zu fragen, was die Volksaufwiegler beabsichtigen, und ob noch so viel ehrenwerte Männer in ihrem Lager sind. Ich bin Soldat. Damit ist es entschieden, welche Gesinnung ich habe. Sie wenden sich wider Regierung und König. Das genügt für mich, sie als meine Feinde anzusehen!«