Heinrich ließ sich durch diese Worte aber nicht irre machen. Doch schwieg er. Denn der Vater betrachtete jede Gegenrede, wie er wußte, als Widerspruch. Und die Erziehung der Geschwister war von Jugend an darauf gerichtet gewesen, sein Urteil als höchste Wahrheit anzusehen und sich unter seinen eisernen Willen zu beugen.

»Was reden wir aber lange von Dingen, die uns nichts angehen,« versetzte Mißbach ungeduldig. »Du bist wie ich Soldat, Heinrich. Was ich von mir sagte, gilt ebensogut für dich! Wir haben unsern Fahneneid geschworen. Seitdem gehören wir mit Leib und Seele dem König. Was sich gegen ihn richtet, trifft auch uns. Wenn er seine Soldaten ruft, marschieren wir. Und damit Gott befohlen. Blitz und Donnerschlag soll den treffen, der anders denkt!«

Während der letzten Worte stand Feldwebel Mißbach auf, ging in die Ecke zum Spucknapf und klopfte die kalte Asche aus dem Pfeifenkopf.

»Jetzt muß ich die Bodenräume revidieren, mein Kasernendienst ruft wieder,« sagte er, zum Säbel greifend. »Wenn ich zurückkomme, mach' ich auf dem Sofa ein Nickerchen. Gegen elf weckst du mich, Linchen! Dann will ich die Kasernentore noch ein Stündchen im Auge behalten. Vor allem aber jetzt ein frisches Glas Bier in der Kantine. Heute ist Leipzig! Mein Ehrentag! Teufel nochmal!«

Damit stampfte er hinaus und warf die Tür hinter sich zu. Gleich darauf hörten die Zurückgebliebenen vom Korridor her seine scheltende Stimme.

Jetzt sahen sich die Geschwister stumm an. Der verzweifelte Blick des Mädchens begegnete dem trotzigen des Bruders.

»Heinrich,« wehklagte Linchen, »nun verlangt der Vater auch noch dieses Opfer von uns.«

»Er ist ein Unmensch,« knirschte der junge Mann. »Ah …, wie das wohltut, einen so liebevollen Vater zu haben!«

»Glaub' mir, er empfindet Freude dabei, wenn er uns das Marschallsche Haus verbietet; er ahnt es, wie schwer er uns damit trifft,« versetzte Linchen.