Da setzte sich das Mädchen neben die Zusammengesunkene und legte den Arm um ihre zuckenden Schultern.
»Denkst du nicht daran, daß der Vater einer von denen ist,« sagte sie mit tiefernster Stimme, »die das Volk so weit gebracht haben? Aber wie du ihn kennst, wirst du auch überzeugt sein, daß er nicht leichtsinnig gehandelt hat. Jetzt ist keine Zeit, zu klagen; nun kämpfen sie. Denk' an alle die armen Verwundeten, Friedchen, die nichts davon verstehen, ob die Führer des Aufstands unrichtig gehandelt haben. Sie setzen einfach ihr Leben ein, weil ihnen der Kampf heilig gilt. Manche Mutter draußen im Lande wird sich um ihren Sohn ängstigen, der voller Begeisterung alles im Stich ließ – auch sie. Und während sie in Sorge vergeht, liegt er vielleicht schwer getroffen und hilflos hier auf der Gasse. Jetzt gilt es, Schmerzen zu lindern und nicht danach zu fragen, wie alles gekommen ist.«
Tante Friedchen schluchzte laut und nickte wiederholt.
»Du hast recht, Kind,« sagte sie weinend, »aber ich kann wirklich nicht mit dir gehen. Huh, mir graust, wenn ich nur daran denke, einen verwundeten Menschen pflegen zu müssen. Ich kann nun einmal kein Blut sehen.«
»Bleibe ruhig daheim,« tröstete Valentine, »du sollst ja die Mutter pflegen.«
»Ja, das will ich tun,« rief Friedchen entschlossen, »meiner armen Schwester soll es wahrhaftig an nichts fehlen, während du fort bist. Nur verlange nicht, daß ich dich begleite. Aber du könntest doch etwas mitnehmen für die Kranken, damit sie nicht zu frieren brauchen.«
Dabei griff sie mechanisch um sich und deutete unsicher auf ihren wollenen Unterrock.
»Oder Geld,« setzte sie hastig hinzu, als sie Valentinens stumme Ablehnung sah. »Ich werde dir alles mitgeben, was ich zu Hause habe.«
Valentine stand auf.