»Friedchen, laß mich jetzt allein.«


Zwölftes Kapitel

Während des ganzen Tages hielt das Gewehrfeuer ununterbrochen an. Die Kranke lag fast immer mit geschlossenen Augen auf dem Rücken und antwortete kaum auf Friedchens Plaudern. Da regte sich das Zartgefühl in Friedchens Brust, und sie erwähnte fortan die Abwesende nicht mehr.

Herr Marschall war tagsüber nicht nach Hause gekommen. Und nachdem gegen Abend Anna mit großer Entrüstung erzählt hatte, daß der fremde Mann, den Professor Richter mitgebracht, soeben heimlich auf und davon gegangen sei, waren die Frauen allein im Hause. Friedchen und Anna horchten ängstlich, wenn auf der Gasse ein schreiender Haufe vorüberzog und wagten nicht, an die Fenster zu treten.

Die Dunkelheit war hereingebrochen, und Friedchen stand gerade im Begriff, die Lampe anzuzünden, als es mit einem Male an der Haustür klopfte. Es war der hungernde Heinrich, der Einlaß begehrte. Geschwind blies Friedchen das Streichholz aus und blieb vor Schreck eine Weile regungslos stehen. Gleichzeitig kam Anna eilends aus der Küche herbei und lehnte entschieden ab, die Tür zu öffnen und nachzusehen. Übrigens würde sie hier in der Kammer während der Nacht auf einem Stuhle schlafen.

Bald darauf klopfte es noch mehrere Male. Friedchen und Anna drängten sich geängstigt aneinander und jammerten leise.

»Möchtest du nicht einmal zum Fenster hinaussehen?« fragte Frau Marschall die Schwester.

Friedchen wehrte mit beiden Händen ab und flüchtete in eine Ecke der Kammer. Zu sprechen wagte sie nicht.

Da dröhnte die Tür unter den Kolbenstößen des vor dem Hause ungeduldig Wartenden.