Anna bedeckte das Gesicht mit der Schürze, während Friedchen sich auf das andere Bett warf und einen Weinkrampf bekam. So blieben die drei Frauen, kaum wagend sich zu rühren, in dumpfem Schweigen beieinander, bis in der Nacht Herr Marschall nach Hause kam.
Jetzt machte Anna Licht und begleitete Friedchen in die nebenliegende Kammer, wo sich beide in ihren Kleidern auf ein Sofa legten.
Frau Marschall bemerkte die seelische und körperliche Erschöpfung ihres Mannes.
»Setz' dich noch eine Weile zu mir, Hermann,« bat sie in weichem Tone, »bevor du zu Bett gehst.«
Advokat Marschall ließ sich neben dem Bett seiner Frau nieder. Seine Kraft war zu Ende. Regungslos starrte er vor sich hin. Endlich sah er müde auf.
»Wo ist Valentine?« fragte er.
Mit unendlicher Schonung erzählte die Kranke des Mädchens Entschluß. Da bedeckte der alte Mann die Augen mit beiden Händen, lehnte sich zurück und blieb eine lange Zeit stumm. Valentine! Sein Kind, an dem sein ganzes Herz hing! Jetzt stand auch sie unter den Kämpfenden! Daß sie gegangen, nur um die Leidenden zu pflegen, vermochte er kaum zu glauben. Er kannte ihren aufflammenden Sinn – –
Als er heute den langen Zug der Verwundeten gesehen und ihr Wimmern und die bittern Anklagen und Verwünschungen gehört, hatte ihm das Herz brechen wollen.
O! wie fürchterlich lastete doch die Verantwortung auf ihm!