Auch Advokat Marschall verspürte jetzt den Geruch. Er ging zum Fenster und sah eine Sekunde lang die Brüdergasse nach dem Zwinger hinab. Und als er sich wieder umwandte, war sein Gesicht kreidig. Mit ungeheurer Anstrengung sagte er:

»Die Rasenden! Jetzt haben sie das Opernhaus angezündet. Es steht über und über in Flammen.«

Frau Marschall faltete stumm die Hände und schloß die Augen.

»Wenn der Heinrich hier wäre,« sagte sie tief atmend.

»Aber gute Madam,« rief Anna im Hinausgehen, »der Heinrich is ja bei's Militär und muß mit schießen.«

Advokat Marschall fuhr sich mit den Händen an den Kopf und stöhnte:

»Bevor ich gestern abend vom Rathaus fortging, habe ich Tzschirner noch das Versprechen abgenommen, daß die provisorische Regierung keine gewalttätige Handlung unternehmen dürfe. Und jetzt diese fluchwürdige Freveltat.«

Ein fürchterlicher Zorn stieg in dem gutmütigen Mann herauf und erstickte alle weiteren Worte. Wie sinnlos schritt er in der Kammer auf und ab, mit den Armen durch die Luft schlagend.

»Weil wir nicht mehr die Herren der Bewegung sind!« stieß er mit abgerissenen Worten heraus. »Das fremde Gesindel, das sich eingeschlichen hat und dem nichts heilig ist! Dieser Bakunin …«